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Montag, 14. Juli 2008

Rita Mae Brown, „Die Katze lässt das Mausen nicht“

53 Kapitel, 304 Seiten, Taschenbuch, broschiert
VerlagUllstein Buchverlage GmbH, Berlin 2004
ISBN978-3-548-25893-5
Original-TitelCatch as Cat can
Original-VerlagBantam Books, New York 2002
ÜbersetzerinMargarete Längsfeld
gelesenvom 11.06.2008 bis 14.07.2008
Empfehlungsehr gut (1+)

Mysteriöses geht vor in der sonst so idyllischen Kleinstadt Crozet, Virginia. Zunächst werden die Radkappen von Miranda Hogendobbers Ford Falcon gestohlen, dann stirbt bei einem Fest ein junger Mechaniker. Kurz darauf wird der Radkappen-Dieb enttarnt, der nicht aus Crozet stammt und der zudem einen falschen Namen angegeben hat, wie Sheriff Rick Shaw und Deputy Cynthia Cooper herausfinden, als der Dieb erhängt aufgefunden wird. Als eine dritte Leiche zur Entdeckung einer halben Million Dollar führt, suchen alle fieberhaft nach einer Erklärung und vermuten Drogen im Spiel — allen voran wie immer die Hobby-Detektivin Mary Minor „Harry“ Haristeen, ihres Zeichens Posthalterin von Crozet und stolze Besitzerin der ebenso detektivisch tätigen Haustiere Mrs Murphy, Pewter und Tucker. Haben die beiden Diplomaten-Besucher aus Uruguay vielleicht etwas damit zu tun? Harry hofft es nicht, schließlich wird sie von Diego sehr umschwärmt, was ihrem Ex-Mann Fair sehr missfällt, da er selbst noch starke Gefühle für sie empfindet. Am Ende kommt es wie immer zum großen Showdown und Harry und die Polizei können alle Angelegenheiten restlos aufklären.

Rita Mae Brown schreibt wie immer genial und sehr detailliert. Man merkt als Leser sofort ihre Liebe zur Natur, speziell zur Gegend um Crozet, Virginia. So schreibt sie besonders in diesem Roman viel über die Hartriegel-Blüten und den dazu gebräuchlichen Festen und anderen Bräuchen, etwa Waschbärjagd, Hartriegelfest und Abbruchball.

Die Spannung steigt mit jedem Kapitel über scheinbar belanglose Dinge wie ein toter Helmspecht oder die gestohlenen Radkappen. Brown schreibt somit sehr kurzweilig und immer wieder sehr anschaulich. Sie gibt kluge Ratschläge und bedient sich intelligenter Vergleiche. Eigentlich gilt das selbe, was ich bereits für das Buch „Mord auf Rezept“ festgestellt habe (s. Rita Mae Brown, „Mord auf Rezept“).

Die Geschichte ist auch dieses Mal gut übersetzt; außer vielleicht der Buchtitel. Dieser will mir nicht so recht verraten, was er mit dem Inhalt zu tun haben soll.

Insgesamt macht es mir wieder mächtig Spaß, das Neueste aus Crozet und die Erkenntnisse von Mrs Murphy, Pewter, Tucker und ihrem Frauchen und den anderen Menschen zu lesen. Erneut meine absolute Empfehlung! (sth, 14.07.2008)

Mittwoch, 11. Juni 2008

Jan Weiler, „Maria, ihm schmeckt’s nicht“

13 Kapitel, 276 Seiten, Taschenbuch, broschiert/kartoniert
VerlagUllstein Buchverlage, 2004
ISBN978-3-548-26426-4
gelesenvom 19.05.2008 bis 10.06.2008
Empfehlungmangelhaft (5+)

Jan Weiler beschreibt in seinem Buch die ersten und viele weitere Begegnungen mit seinem (künftigen) Schwiegervater Antonio, der ihm seine eigene Welt in vielen Anekdoten erklärt. Zentraler Dreh- und Angelpunkt ist Italien, Antonios Heimat, in welches viele gemeinsame Reisen führen.

Leider kann ich dieses Buch überhaupt nicht empfehlen. Jan Weiler schreibt zwar nicht schlecht, sehr flüssige, locker leichte Sprache, jedoch kann er mich nicht vom Unterhaltungswert seines Werks überzeugen.

Die „Geschichten von [seiner] italienischen Sippe“ (Untertitel) fangen zwar gut an, doch lassen nach einem langatmigen Mittelteil leider einen schwachen Abgang folgen.

Während die italienische Ausdrucksweise und Aussprache am Anfang noch amüsiert, stumpft der Effekt nach den Anfangskapiteln erheblich ab. Auch folgen immer wieder ähnliche Dialoge, immer wieder die gleichen Witze und Situationen, sodass das Buch irgendwann nicht mehr amüsiert, sondern nervt. Hinzu kommen scheinbar unzählige Reisen nach Italien. Kommt Jan Weiler in Kapitel x gerade aus Italien zurück und schwört, niemals wieder dort hin zu fahren, so fährt er bereits in Kapitel y wieder dort hin. Eine Reise folgt der nächsten – eine Erzählweise ohne erkennbare Zusammenhänge. Manche Kapitel folgen zeitlich direkt aufeinander, andere haben Wochen oder Monate dazwischen.

Den größten Teil des Buch nimmt Antonios Lebensgeschichte ein, angefangen mit seiner Kindheit über seine Jugend bis hin zu seinem Leben im Hier und Jetzt. Leider sind die Ausflüge in die Vergangenheit weder besonders interessant noch witzig, insgesamt also kaum unterhaltsam!

Axel Hacke schrieb zu diesem Buch: „Wer noch keine italienischen Verwandten hat, wird nach der Lektüre unbedingt welche haben wollen.“ Dazu kann ich nur sagen: Nach der Lektüre will ich definitiv keine mehr haben!
Der Stern schrieb: „Ein unverzichtbarer Beitrag zur deutsch-italienischen Freundschaft. Und saukomisch.“ Unverzichtbar ist das Buch keinesfalls, obwohl es schon zur deutsch-italienischen Freundschaft beitragen könnte, da man als Leser viel über die Italiener erfährt und ihnen so doch etwas näher kommt. Saukomisch finde ich das Buch allerdings nicht, stellenweise ist es ganz amüsant.
Der Spiegel schrieb: „Jan Weiler spielt gewitzt mit Sprach- und Nationenstereotypen.“ Er bedient sich dieser Stereotypen, aber unter einer gewitzten Spielerei verstehe ich etwas ganz anderes.

Summa summarum lautet mein Urteil: Man muss das Buch nicht gelesen haben, ich kann aber auch nicht komplett davon abraten, da es ja Ihren Geschmack treffen könnte. (sth, 11.06.2008)

Sonntag, 27. April 2008

Shelley Freydont, „Tödliches Sudoku“

29 Kapitel, 343 Seiten, Taschenbuch, broschiert
VerlagRowohlt Taschenbuch Verlag, August 2007
ISBN978-3-499-24608-1
Original-TitelThe Sudoku Murder
Original-VerlagAvalon Publishing, New York 2007
ÜbersetzerinTamara Willmann
gelesenvom 19.04.2008 bis 27.04.2008
Empfehlungsehr gut (1–)

Professor Avondale arbeitet und wohnt im Avondale Puzzle Museum in der Kleinstadt Granville in New Hampshire. Da er in (finanziellen) Schwierigkeiten steckt, ruft er seine geniale Freundin Kate McDonald zu Hilfe. Sie verspricht ihm zu helfen, doch kann nicht verhindern, dass der Professor ermordet wird. Sie wird sofort von Polizeichef Brandon Mitchell, dem als Zugezogener die Einheimischen kräftig Paroli bieten, als Hauptverdächtige Nr. 1 deklariert. Nun muss sie, auf sich allein gestellt, die verschwundenen Schecks finden, die allein das Museum vor dem Verkauf an ein Konsortium retten können, außerdem Professor Avondales Schützling Harry auftreiben und die Einwohner Granvilles gegen das geplante Einkaufszentrum mobilisieren. Dadurch schafft sie sich nicht wenige Feinde — und wird Opfer von Einschüchterungsversuchen —, doch hin und wieder erhält sie auch unerwartete Hilfe. Mithilfe eines Hinweises, den der Professor kurz vor seinem Dahinscheiden in einem Sudoku versteckt hat, kann Kate schließlich das Museum retten und den Mörder aufspüren.

Zunächst einmal finde ich als Rätsel- und Sudoku-Liebhaber und begeisterter Krimi-Leser die Idee interessant, ein Sudoku als Schlüssel zur Lösung eines Kriminalfalles einzubauen. Auch wenn der Titel „Tödliches Sudoku“ vielleicht erwarten ließe, dass es viel mehr um Sudokus ginge bzw. dass das Sudoku eine noch größere Rolle spielte.

Die einzelnen Kapitel haben keine Überschrift und keine Nummer, sondern Sudokus, die mit zunehmender Seitenzahl schwieriger werden. Auffällig ist auch, dass die Regeln von Sudokus an keiner einzigen Stelle erklärt werden, was es für unwissende Leser stellenweise schwierig machen dürfte, den Erklärungen der Protagonistin zu folgen.

Die Protagonistin wird oft mit der ihr teilweise recht unangenehmen Vergangenheit konfrontiert und sie muss allerlei durchstehen. Der gealterte Professor hingegen versinkt regelmäßig in seine Sudokus, zieht sich komplett aus der Außenwelt zurück und ist Kate dadurch keine große Hilfe. Dennoch gelingt es ihr schließlich — und ich freue mich außerordentlich über den sehr passenden Vergleich —, das Puzzle Stück für Stück zusammensetzen zu können.

Die Geschichte wird von einem allwissenden Er-Erzähler erzählt, wenn auch ausschließlich Kates Handeln verfolgt wird. Kates Gedanken werden kursiv dargestellt, was dem Leser die Unterscheidung von ihren Gedanken und allgemeinen Erkenntnissen doch sehr erleichtert. Freydont benutzt eine sehr lockere leichte Sprache, quasi im Plauderton. Das lässt sie sehr sympathisch erscheinen und einige ihrer Mankos vergessen.

So merkt man leider relativ früh, dass die Geschichte einen Hang zur heilen Welt hat. So ist die Tatsache, dass am Ende alles gut ausgeht, keine Überraschung. Freydont hält sich auch nicht an einen Grundsatz der Schreibkunst: Lass deinen Protagonisten das Schlimmste erleben, was geht. Im Großen und Ganzen ist die Geschichte harmlos, ein Soft-Krimi. Leider fast ganz ohne Humoreinlagen!

So wirken viele Stellen unglaubwürdig und unrealistisch. Die Sekretärin bewahrt belastendes Beweismaterial auf und vernichtet es nicht mal, als sie Kate McDonald quasi beim Schnüffeln erwischt. Nichtsdestotrotz ist die Story von Anfang bis Ende spannend und die Lösung wird auch nur Schritt für Schritt erreicht.

Entgegen der zuvor hier besprochenen Bücher ist das vorliegende Buch ausgesprochen gut übersetzt worden. An dieser Stelle also mein Kompliment an die Übersetzerin!

Trotz einiger kleiner Mankos war ich also sehr begeistert von der Geschichte und den sympathischen Hauptfiguren, die teilweise noch besser ausgearbeitet hätten werden können. Und deswegen kann mein Urteil nur lauten: Bitte mir nachmachen und selbst lesen! (sth, 27.04.2008)

Samstag, 19. April 2008

Rita Mae Brown, „Mord auf Rezept“

49 Kapitel, 290 Seiten, Taschenbuch, broschiert (Sammelband: diese Geschichte und „Rache auf leisen Pfoten“)
VerlagUllstein (Econ Ullstein List Verlag), Februar 2006
ISBN978-3-548-26384-7
Original-TitelClaws and Effect
Original-VerlagBantam Books, New York 2001
ÜbersetzerinMargarete Längsfeld
gelesenvom 25.03.2008 bis 18.04.2008
Empfehlungsehr gut (1)

Der technische Leiter des Crozet Hospitals, Hank Brevard, wird im Heizungskeller brutal ermordet. Die meisten Leute in der Kleinstadt Crozet in Virginia beunruhigt dies nicht weiter, kannten und mochten sie den mürrischen Leiter eh nicht besonders. Aufregung verursacht dagegen eher Little Mims Kandidatur fürs Bürgermeisteramt, da sie die Tochter des amtierenden Bürgermeisters ist. Mary Minor „Harry“ Haristeen findet jedoch den Mord höchst merkwürdig und beginnt im Heizungskeller zu recherchieren, wo sie kurzerhand bei ihren Ermittlungen niedergeschlagen wird. Als dann auch noch ein beliebteres Mitglied der Crozet-Gesellschaft nach einer Fuchsjagd ermordet wird, beginnen Sheriff Rick Shaw und andere eine Verbindung zwischen den Morden und Crozet Hospital herzustellen. Krankenhaus-Direktor Sam Mahanes weist alle Vorwürfe von sich und Crozet Hospital, doch schließlich finden sich Ungereimtheiten, denen Rick Shaw sowie seine Mitarbeiterin Cynthia Cooper und natürlich die Hauptfigur, Posthalterin Harry Haristeen, samt ihres tierischen Gefolges, bestehend aus der Tigerkatze Mrs. Murphy, deren fetten Katzenfreundin Pewter sowie der Corgi-Welsh-Hündin Tee Tucker, nachgehen. Die Tiere finden mal wieder des Rätsels Lösung und retten Frauchen Harry wieder einmal das Leben bei einer wilden Verfolgungsjagd, der die Verhaftung des Mörders folgt.

Wie immer schreibt Rita Mae Brown kurzweilig und interessant. Sie fängt die Stimmung ein und beschreibt anschaulich das Leben in der Kleinstadt Crozet, Virginia. Sie bedient sich dabei vieler schöner Vergleiche und der allwissenden Erzählweise. Von Kapitel zu Kapitel erfährt man Neuigkeiten, jeweils aus der Sicht eines anderen Charakters.

Das Buch beginnt, wie alle anderen der Mrs.-Murphy-Reihe, mit einer Widmung und der Vorstellung aller Charaktere („Personen der Handlung“) und endet mit einem Abschlusswort von der Co-Autorin Sneaky Pie Brown, Rita Mae Browns Katzenstarautorin. Durch die Einleitung, dem „Personen der Handlung“-Teil, erhält der Leser bereits eine erste Charakterisierung und einen ersten Einblick in das spannende und interessante Leben von Crozet. In jedem Buch der Reihe gibt es Hauptcharaktere, wie etwa Harry, Mrs. Murphy, Pewter und Tucker, sowie Rick Shaw, Cynthia Cooper, Little Mim, Big Mim und weitere. Daneben gibt es noch zahlreiche Nebenfiguren, die nur in dieser Geschichte auftauchen, hier etwa Sam Mahanes und weiteres Personal aus dem Krankenhaus. Doch auch über die bekannten Figuren lernt der Leser in jedem Buch weitere Details aus deren Leben kennen, die bisher noch keine Erwähnung fanden. Dies alles trägt dazu bei, dass man die gesamte Crozet-Gesellschaft zu lieben beginnt.

Teilweise holpern die deutschen Sätze ein wenig, wo ich das Gefühl habe, dass eine andere Übersetzung verständlicher gewesen wäre. Das tut dem Buch jedoch keinen Abbruch.

Sehr schön finde ich jedenfalls immer wieder die klugen Sätze und Erkenntnisse, die die Menschen und Tiere in Browns Romanen von sich geben. Denn auch die Tiere können sich verständigen, allerdings nur untereinander und nicht mit den Menschen. Wenn man das mag, kann man sich als Leser dem Bann der Crozet-Bücher nicht mehr entziehen!

Ich kann jedenfalls nur der Hamburger Morgenpost zustimmen, die da feststellte: „Die mörderischen Geschichten aus dem idyllischen Städtchen Crozet haben mittlerweile Kultstatus!“ Für mich kann deshalb nur gelten: Ich bin in die Reihe ganz vernarrt! Meine Empfehlung! (sth, 19.04.2008)

Montag, 24. März 2008

Elizabeth George, „Mein ist die Rache“

28 Kapitel, 478 Seiten, Taschenbuch, broschiert (Sammelband: „Gott schütze dieses Haus“ und oben genannte Geschichte)
VerlagGoldmann Verlag, Juli 2007
ISBN978-3-442-46439-5
Original-TitelA Suitable Vengeance
Original-VerlagBantam Books, New York 1991
ÜbersetzerinMechthild Sandberg-Ciletti
gelesenvom 11.02.2008 bis 21.03.2008
Empfehlunggut (2)

Der adlige Inspector Thomas Lynley vom New Scotland Yard – oder auch Lord Asherton – und seine Verlobte, die Fotografin Deborah Cotter, planen einen Wochenende auf dem feudalen Wohnsitz der Ashertons, Howenstow in Cornwall. Ihre besten Freunde, den Wissenschaftler Simon St. James und Lady Helen Clyde, sowie Deborahs Vater nehmen sie mit. Auch Simons Schwester Sidney kommt mit ihrem Freund Justin Brooke. Lynleys drogenabhängiger Bruder Peter taucht mit seiner neuen Flamme Sasha ebenfalls auf. Damit sind bereits genügend Konflikte programmiert. Während Lynley allerlei Verpflichtungen nachkommen muss, wird im Nachbarort Nanrunnel Mick Cambrey ermordet und entmannt. Der Journalist ist gleichzeitig auch Ehemann von Nancy, der Tochter von Howenstow-Verwalter John Penellin.
Für die Polizei ist schnell klar, dass Penellin seinen Schwiegersohn umgebracht hat. Lynley muss Nancy versprechen, den wahren Täter zu finden. Dabei helfen ihm selbstverständlich St. James, Helen und Deborah. Micks Vater Harry Cambrey findet in seiner Redaktion Hinweise auf eine große Story, die der Grund für Micks Ermordung sein könnte. Doch wie viel ist dran an der großen Drogenschmuggel-Geschichte? Drogen spielen jedenfalls erst mal in einem anderen Zusammenhang eine Rolle: Justin Brooke greift wütend Sidney St. James an, weil sie seine Drogen wegwirft. Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse: Justin Brooke stirbt in einer stürmischen Nacht, Deborahs Fotoausrüstung verschwindet, ebenso verschwinden Peter Lynley mit Sasha sowie Sidney St. James. Schließlich und endlich lassen sich Zusammenhänge erkennen zwischen Deborahs ebenso verschwundener Nachbarin Tina Cogin, Mick Cambrey, Justin Brooke und Dr. Roderick Trenarrow, der Freund von Lynleys Mutter. Es kommt schließlich zum großen Showdown und alle Fragen werden geklärt, doch nicht alles geht gut aus …

Die Geschichte ist vom Aufbau her ein typisch englischer Kriminalroman. Elizabeth George fängt zunächst die Stimmung ein und beschreibt etliche rätselhafte Ereignisse. Der Tote wird erst auf Seite 132, also etwa nach einem Viertel der Geschichte, gefunden; doch die Spannung wird natürlich von Anfang bis Ende gehalten. Dies mag auch an den vielen kleinen Nebenhandlungen liegen, die das Buch so außerordentlich interessant und vielseitig gestalten – und die obige Zusammenfassung des Inhalts doch sehr erschwert haben. George hat ihren Krimi so genial konstruiert und aufgebaut, dass eine Zusammenfassung des Inhalts, bei der natürlich so wenig wie möglich verraten werden soll, zu einer großen Herausforderung wird.
Susan Elizabeth George verwendet eine lebendige, bildreiche Sprache mit vielen Beschreibungen und treffenden Vergleichen. Leider sind ihre Sätze teils etwas schwierig aufgebaut. Auch hatte ich manchmal das Gefühl, dass einzelne Sätze furchtbar schlecht übersetzt wurden. Im Großen und Ganzen liest es sich jedoch recht flüssig. (Etwas merkwürdig ist auch, dass manche Kapitel eine Überschrift haben und andere nicht.)
Die Geschichte wird oft persönlich – durch die vielen privaten Verstrickungen der Hauptcharaktere: das gestörte Verhältnis zwischen Thomas und Peter Lynley, der Riss in Deborahs und Simons Beziehung vor ihrem Amerika-Aufenthalt (nach dem sie sich mit Lynley verlobt), Lynleys Hass auf Dr. Trenarrow etc. pp. — Seit Beginn wird die Geschichte aus persönlicher Sicht der Hauptcharaktere erzählt. Die polizeilichen Ermittlungen stehen nicht wirklich im Vordergrund.
Aber vielleicht auch gerade dadurch erhält das Buch seinen besonderen Reiz und die nicht abreißende Spannung. Mehrmals finden Wenden statt, die alle bisher gesammelten Fakten in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Eine kleine Problematik ergibt sich aus den Veröffentlichungszeiträumen der einzelnen Romane der Thomas-Lynley-Reihe: „Mein ist die Rache“ ist nicht Georges erster Lynley-Roman, aber im Handlungsstrang der Lynley-Welt der bisher früheste Roman. Daher habe ich mich dafür entschieden, mit diesem Roman zu beginnen. Dennoch kann es sein, dass man die vorher erschienenen Romane hätte lesen müssen, um einige Andeutungen zu verstehen, die man sonst nicht mitbekommt.

Insgesamt kann ich nur sagen, dass man die Art und Weise, wie George ihre Krimis aufbaut, und ihren Schreibstil mögen muss, aber die Vielzahl ihrer verkauften Bücher spricht dafür, dass viele Leser meiner Meinung sind: Elizabeth George schreibt einfach genial! Und so freue ich mich schon auf den nächsten Krimi mit Thomas Lynley und Konsorten! (sth, 24.03.2008)