| 46 Kapitel, 446 Seiten, gebundene Ausgabe | |
| Verlag | List Verlag (in der Ullstein Buchverlage GmbH), Berlin 2009 |
| ISBN | 978-3-471-35017-1 |
| Original-Titel | Fear The Worst |
| Original-Verlag | Bantam/Random House, New York 2009 |
| Übersetzerin | Nina Pallandt |
| gelesen | vom 30.06.2010 bis 16.07.2010 |
| Empfehlung | sehr gut (1) |
Sydney Blake ist 17, bei ihrem geschiedenen Vater Tim in den Sommerferien zu Besuch – und von einem auf den anderen Tag spurlos verschwunden. Autoverkäufer Tim macht sich sofort auf die Suche, doch in dem Hotel, in dem sie angeblich gearbeitet hat, kennt man sie nicht. Allmählich findet er heraus, dass er seine Tochter weitaus weniger kannte, als ihm lieb ist. In Detective Jennings sieht er zunächst eine Verbündete, die ihm zu helfen scheint. Doch je länger er sucht, allen Hinweisen nachgeht und Spuren verfolgt, desto eher sieht die Polizei in ihm den Täter statt den Angehörigen eines Opfers. Seine Exfrau scheint beobachtet zu werden, sein Haus wird verwüstet, auf ihn wird geschossen, Tim wird entlassen. Als er an einem Tiefpunkt angekommen zu sein scheint, tauchen Gestalten auf, die auch nach Sydney suchen. Tim schöpft Hoffnung, dass sie noch leben könnte, doch warum musste sie untertauchen? Mehr als eine Leiche pflastern Tims Weg auf seiner Suche – und schließlich lässt die Polizei die Fahndung nach ihm ausschreiben. Wie soll er da noch seine Tochter finden?
Der Buchrückentext ist knapp gehalten, aber was könnte spannender und nervenzerreibender sein als die Suche nach der verschwundenen Tochter, die allem Anschein nach in Bezug auf Ihren Ferienjob gelogen hat???
Barclay schafft das nahezu Unmögliche: Es ist das erste Buch seit langem, das ich regelrecht verschlinge, so schnell lese ich es. Weil ich wissen will, wie es ausgeht. Weil dieser Thriller so spannend und gut gemacht ist wie nur selten ein Buch!
Bereits der Prolog beginnt mit dem perfekten Anfang: »Am Morgen des Tages, an dem ich sie verlor, fragte mich meine Tochter, ob ich ihr Rührei zum Frühstück machen könne.« – Rumms! Mit dem ersten Satz ist man bereits mitten im Geschehen!
Zugegeben, danach wird Barclay ein wenig nachlässig und macht Anfängerfehler: Im Prolog will er zu viel erklären, lässt in jeden Nebensatz noch eine Info einfließen, die er auch noch später hätte nachreichen können. Und ich zählte zahlreiche „sagte ich“s, „erkundigte sie sich“s, „fragte ich“s und „gab sie zurück“s, diese nichtsnutzigen Satzendungen, die die wörtliche Rede erklären sollen, aber nichts bringen und nur kostbare Lesezeit kosten. Meist ergibt es sich automatisch aus dem Zusammenhang, wer spricht – und dass was gefragt wurde, erkennt der geübte Leser am Satzbau – oder profaner an den Satzzeichen!
Barclay punktet aber bereits seit dem 1. Kapitel wieder voll: Es beginnt 24 Tage nach dem Verschwinden der Tochter. Und man fragt sich, wieso die Suche nach der Tochter nicht ausführlicher beschrieben wurde, als nur in einem Nebensatz in einer kurzen Rückschau. Es wird einem jedoch unmittelbar danach klar, dass schlichtweg nichts passiert ist. Die Suche war bisher erfolglos – und so reichen ein paar Nebensätze durchaus. Er hat mir seitenweise Langeweile erspart – danke!
Mit ein paar kleinen Zeitsprüngen innerhalb dieser ersten 24 Tage »danach« verwirrt mich Barclay zunächst ein wenig, aber danach geht es chronologisch und vor allem unglaublich spannend weiter. Der Lesefluss wird durch nichts mehr gestört und eigentlich kann man das Buch gar nicht aus der Hand legen. Wie ärgerlich, dass ich zwischendurch essen, trinken, arbeiten und schlafen musste!!!
Die Übersetzerin hat gute Arbeit geleistet, lediglich in Kapitel drei sind mit zwei kleine Grammatikfehler aufgefallen.
Leider bleibt das furiose Finale am Ende aus. Es wird zwar alles aufgelöst – und mehrere Wendungen selbst noch kurz vor Ende lassen den Thriller bis zum Schluss spannend bleiben, doch ein großer Showdown sieht anders aus. Statt dessen läuft die Geschichte so aus, als würde jemand den Badewannenstöpsel ziehen. Deswegen kann ich leider keine 1+ mit Sternchen für diesen exzellenten Roman vergeben!
Fazit also: Wer diesen Thriller in die Hand nimmt, sollte sich nichts anderes vornehmen. Unbedingt lesen! (sth, 16.07.2010)