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Sonntag, 23. November 2008

Jacques Berndorf, „Eifel-Blues“

13 Kapitel, 253 Seiten, Taschenbuch, broschiert
VerlagGRAFIT Verlag GmbH, Dortmund 1989
ISBN978-3-89425-442-1
gelesenvom 05.11.2008 bis 21.11.2008
Empfehlungbefriedigend (3-)

Der Journalist Siggi Baumeister wird von seinem Chef aus dem Urlaub zu einer Geschichte zitiert: 3 Tote in einem und um einen offenen Jeep, kurz vor einem Bundeswehrdepot, und ein mysteriöser Laster aus der DDR. Doch offenbar interessiert sich niemand für die Toten – aber nur, weil die Bundeswehr Akten verschwinden lässt und Beweise vernichtet. Oder war es vielleicht doch der BND, der Verfassungsschutz oder der MAD? Als Baumeister jedenfalls kaum mit seinen Recherchen begonnen hat, wird er schon von einem selbsternannten Bundeswehrbeschützer namens Messner krankenhausreif geprügelt. Das lässt sich Baumeister jedoch nicht gefallen und ermittelt weiter, befragt heimlich Freunde, Bekannte und Verwandte der Toten, damit die Bundeswehr/Messner nichts mitbekommt. Unterstützung erhält er von seinem Arzt Dr. Naumann, der Kollegin Elsa aus Hamburg, seinem Vermieter Alfred und später auch vom Kriminalrat Rodenstock. Gemeinsam gelingt es ihnen schließlich, Licht ins Dunkel zu bringen, aber nicht ohne ordentlich Dreck aufzuwirbeln und einiges an sprichwörtlich verbrannter Erde zu hinterlassen.

Im Großen und Ganzen ist es eine sehr brutale und verwirrende Geschichte, in die ich mich erst reinfinden musste.

Jacques Berndorf, Pseudonym des Journalisten Michael Preute, schreibt leider nicht so genial wie ein Grisham oder eine Elizabeth George. So finden sich auch leichte Logikfehler im Text. In einer Szene schaut Baumeister aus dem Fenster und beobachtet eine Katze. Dann befragt er eine Freundin des Toten. Und dann dreht er sich wieder zum Fenster um, obwohl nicht erwähnt wurde, dass er sich zuvor vom Fenster weggedreht hatte.

Die Geschichte selbst und der Umgang der Hauptperson mit den anderen Charakteren ist alles andere als liebevoll. Obwohl zwischen Elsa und Siggi ein gegenseitiges sexuelles Interesse angedeutet wird, geht Baumeister nicht zärtlich mit Elsa um. Der Hauptcharakter wirkt unverschämt, arrogant, besserwisserisch. Dadurch kann der Leser nicht wirklich Sympathie für den Protagonisten empfinden oder entwickeln. Auch wenn er verprügelt wird, was ja schon Mitleid erregt, weiß er alles besser und macht alles richtig. Er gibt jedem, auch wenn sie nicht unter seinem Befehl stehen, Anweisungen und alle anderen gehorchen, auch wenn sie nie verstehen, warum sie das nun tun sollen. Meines Erachtens hätte der Protagonist noch ein paar Fehler mehr machen und dann ein schlechtes Gewissen haben müssen, um wieder sympathisch zu erscheinen. Aber so erscheint mir die Hauptfigur eine Fehlkonstruktion zu sein.

Die Figur des Kriminalrats Rodenstock, der in den späteren Büchern eine viel stärkere Rolle spielen wird, ist ebenfalls sehr schwach gezeichnet. Er wird auf Schokolade, Kognak und Zigarren reduziert. Sehr schade und bedauerlich! In dieser Figur steckt schließlich so viel Potenzial … Berndorf verwendet kaum Merkmale einer Charakterisierung, was vielleicht daran liegt, dass er Journalist ist und kriminalliterarisches Schreiben nie erlernt hat.

So werden Personen generell nicht vorgestellt. Figuren, die der Protagonist kennt, sollte er zum Beispiel durch kleine Anekdoten charakterisieren. Die Geschichte wird nämlich von Baumeister in der Ich-Perspektive erzählt. Auch seine Gedanken und Handlungen erklärt er nicht. Der Leser wird lange Zeit im Dunkeln gelassen, was für die Spannung sehr gut ist, aber leider auf die falsche Erzählperspektive schließen lässt. Vielleicht wäre Berndorf mit einer anderen besser bedient gewesen. Auch ist mir der Sinn und die Bedeutung des Titels im Verhältnis zur Geschichte bis jetzt nicht klar geworden. Was soll das?

Der Spannungsaufbau hingegen ist fantastisch. Man ist von Anfang an direkt mitten in der Geschichte, hat kaum Zeit, sich zu erholen, weil dauernd etwas passiert. Die Lösung zum Schluss ist plausibel und doch ein wenig überraschend, wenn auch nur wenige Verdächtige präsentiert werden. Der Antagonist steht relativ früh fest und eigentlich geht es nur noch darum, die genauen Umstände und das Motiv herauszubekommen. Ein bisschen schade. Die Spionagegeschichte, die noch hineingestrickt wird, verkompliziert die gesamte Handlung künstlich noch mehr. Man verliert als Leser leicht den Überblick, bekommt Informationen nur bröckchenweise, während der Protagonist schon längst mehr weiß und es dem Leser nicht verrät (z. B. zu Beginn die Namen der Toten).

Insgesamt muss ich damit leider sagen, dass es kein Buch/Roman ist zum Vergöttern, von dem man sagen würde, man hat es gerne gelesen. Es ist keine schöne Geschichte, man liest nur weiter, weil man wissen will, wie es ausgeht.

Die einzelnen Kapitel sind sehr lang, nicht in Absätze/Szenen unterteilt. Das wirkt unstrukturiert.

So findet man sich als Leser manchmal ohne Vorwarnung von einem auf den nächsten Satz plötzlich in einem ganz anderen Umfeld wieder. Die Geschichte ist teilweise so schnell, dass ich das Gefühl hatte, der Autor kam manchmal mit dem Schreiben nicht nach! Wenn man der Geschichte glauben darf, ist das einzige, worin Berndorf sich wirklich gut auskennt, Pfeife rauchen …

Mein Fazit lautet also: Idee und Spannung sind sehr gut, aber die Umsetzung lässt zu wünschen übrig! Wer sich an schwachen Charakterisierungen und einer Überdosis Gewalt nicht stört, ist bei diesem Buch allerdings bestens aufgehoben! (sth, 23.11.2008)

Dienstag, 4. November 2008

Rita Mae Brown, „Maus im Aus“

53 Kapitel, 334 Seiten, Taschenbuch, broschiert
VerlagUllstein Buchverlage GmbH, Berlin 2004
ISBN978-3-548-26247-5
Original-TitelThe Tail of the Tip-Off
Original-VerlagBantam Books, New York 2003
ÜbersetzerinMargarete Längsfeld
gelesenvom 08.10.2008 bis 04.11.2008
Empfehlungsehr gut (1+)

Mary Minor „Harry“ Haristeen und ihre Freunde aus Crozet, Virginia, genießen die Basketballspiele der UVA-Frauenmannschaft. Bis zu jenem verhängnisvollen Spiel, als der Bauunternehmer H. H. Donaldson, der kurz zuvor seine Frau und seiner Tochter verlassen hatte, auf dem Parkplatz tot zusammenbricht. Der zunächst angenommene Herzinfarkt entpuppt sich schnell als Mord, auch wenn weder Tatwaffe noch die genauen Umstände bekannt sind. Auch das Gift, an dem er starb, lässt sich lange Zeit nicht herausfinden. Lediglich eine kleine Wunde am Hals weckt das Interesse von Sheriff Rick Shaw und Deputy Cynthia Cooper. Harry und ihre klugen Haustiere beginnen daraufhin, auf eigene Faust zu ermitteln. Harry nimmt es persönlich, weil sie bei den Basketballspielen unmittelbar hinter H. H. gesessen hatte. Kurz darauf wird einem UVA-Schiedsrichter eins über den Schädel gehauen und eine Bauinspektorin findet grausam den Tod. Lange Zeit scheint H. H.s Witwe die Täterin zu sein, bis Harry und ihre Tiere, die Katzen Mrs. Murphy und Pewter sowie die Corgi-Hündin Tucker, herausfinden, wie H. H. Donaldson umgebracht wurde. Daraufhin lockt Harry den mutmaßlichen Täter in eine Falle, doch über das wahre Ausmaß der Verbrechen hat sie keine Ahnung, weshalb sie wieder einmal um ihr Leben bangen muss. Unerwartete Hilfe erhält sie dabei von der ihr verhassten BoomBoom – und so können sie schließlich doch noch unversehrt das Rätsel lösen.

Rita Mae Brown schreibt wie immer genial und sehr detailliert. Man bemerkt als Leser sofort ihre Liebe zum Detail. Sie macht dieses Mal auf besonders viele Nebenhandlungen aufmerksam, z. B. die neuen Teppiche im Pfarrhaus, der Materialdiebstahl im Basketballstadion, die Predigterstellung von Pfarrer Herb oder auch der einer Architektin zugelaufene Hund.

Brown schreibt wie immer sehr kurzweilig und anschaulich. Sie gibt kluge Ratschläge, bedient sich intelligenter Vergleiche und lässt ihre Leser an ihrer Lebensweisheit teilhaben. Zum Beispiel regt folgender Dialog (Seite 44) ja durchaus zum Nachdenken an:

»Es ist komisch, nicht?«
»Das Leben?«
»Ja.«

Die Übersetzerin hat gute Arbeit geleistet – wenn man mal großzügig vom Buchtitel absieht.

Insgesamt macht es mir wieder mächtig Spaß, das Neueste aus Crozet und die Erkenntnisse von Mrs Murphy, Pewter, Tucker und ihrem Frauchen und den anderen Menschen zu lesen. Wie alle Brown-Bücher meine absolute Empfehlung! (sth, 04.11.2008)