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Dienstag, 9. Dezember 2008

Erwin Barth von Wehrenalp, „Man sollte es nicht für möglich halten“

27 Kapitel, 256 Seiten, Taschenbuch
VerlagEcon, 1988
ISBN978-3-43019-545-4
gelesenvom 24.11.2008 bis 09.12.2008
Empfehlungmangelhaft (5)

In vielen einzelnen Kapiteln wurden hier Anekdoten und Geschichten niedergeschrieben, die laut Untertitel »Unglaubliches aus der Weltgeschichte« erzählen sollen.

Hinweis: Da mir das Buch nicht gefallen hat, fällt die folgende Kritik sehr negativ aus. Dies ist jedoch lediglich meine Meinung und mag von anderen Lesern ganz und gar nicht geteilt werden!

Einige Kapitel sind tatsächlich ganz interessant und unterhaltsam, etwa über die Gemeinsamkeiten der Ermordungen Abraham Lincolns und John F. Kennedys, über das glücklichste Volk der Welt oder über die erstaunlichen Voraussagen der Jeane Dixon.

Andere Kapitel langweilen den Leser jedoch mit seitenlangen Aufzählungen. Sechs Seiten darüber, in welchen Ländern wann wie viele Menschen starben. Wozu? Auf 80 (!) Seiten Texte darüber, welche Literatur welcher Schriftsteller eine viel zu geringe Akzeptanz zukam, welche Schriftsteller wie, wo und wann Veröffentlichungsschwierigkeiten hatten, welche Verleger, Schriftsteller und Zeitschriften sich mal einen Jux erlaubten und welche Bücher wann wo und warum der Zensur zum Opfer fielen. Leider wird nicht erwähnt, warum dieses Buch es doch auf den Büchermarkt geschafft hat. Wenn ich mir so eine langweilige Aufzählung von nüchternen Tatsachen mit Zahlen und Fakten wirklich antun wollte, würde ich das Telefonbuch lesen!!!

Einzelne Kapitel habe ich regelmäßig nicht zu Ende lesen können. Der Erzählstil ist einfach nur grausam. Staubtrockene Fakten in einer emotionslosen, humorlosen und begeisterungslosen Weise niedergeschrieben. Keine Anekdoten, die das Geschehen auflockern würden.

Oftmals ist ein Kapitel auch nur eine Zusammenfassung eines Buches, das der Autor wohl spannend gefunden haben muss.

Bei den Kapiteln über Voraussagen und Prophetie ist der Autor mehrere Male ganz aus dem Häuschen, was verschiedene Autoren richtigerweise über die Zukunft vorausgesagt haben. Mich verwundert das weniger. Wenn man einmal konsequent weiterdenkt in Richtung der heutigen Entwicklungen, so fällt es einem doch leicht, etwas zu schreiben, was dann auch tatsächlich an technischer Entwicklung einsetzt. Möglicherweise haben die Schreiberlinge mit ihren Zukunftsvisionen auch die tatsächliche Entwicklung beeinflusst, weil irgendein Techniker die im Buch genannten Autoren gelesen hat. Wer weiß …

Da mir einige Kapitel jedoch gefallen haben, war es wohl einfach die falsche Auswahl an Themen, die der Autor seinen Lesern vorgestellt hat. Das Buch war einfach nicht nach meinem Geschmack :-( Schade!

Ganz nüchtern betrachtet eignet sich das Buch jedenfalls nicht für einen gemütlichen Leseabend, da es weder in Romanform geschrieben noch ein populärwissenschaftliches Sachbuch ist.

Mein Fazit lautet daher leider: Man sollte es tatsächlich nicht für möglich halten, dass jemand für ein solches Buch ernsthaft Geld ausgibt! Es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass dieses Produkt bei Amazon schon für einen Euro-Cent auf den Markt geschleudert wird … (sth, 09.12.2008)

Sonntag, 23. November 2008

Jacques Berndorf, „Eifel-Blues“

13 Kapitel, 253 Seiten, Taschenbuch, broschiert
VerlagGRAFIT Verlag GmbH, Dortmund 1989
ISBN978-3-89425-442-1
gelesenvom 05.11.2008 bis 21.11.2008
Empfehlungbefriedigend (3-)

Der Journalist Siggi Baumeister wird von seinem Chef aus dem Urlaub zu einer Geschichte zitiert: 3 Tote in einem und um einen offenen Jeep, kurz vor einem Bundeswehrdepot, und ein mysteriöser Laster aus der DDR. Doch offenbar interessiert sich niemand für die Toten – aber nur, weil die Bundeswehr Akten verschwinden lässt und Beweise vernichtet. Oder war es vielleicht doch der BND, der Verfassungsschutz oder der MAD? Als Baumeister jedenfalls kaum mit seinen Recherchen begonnen hat, wird er schon von einem selbsternannten Bundeswehrbeschützer namens Messner krankenhausreif geprügelt. Das lässt sich Baumeister jedoch nicht gefallen und ermittelt weiter, befragt heimlich Freunde, Bekannte und Verwandte der Toten, damit die Bundeswehr/Messner nichts mitbekommt. Unterstützung erhält er von seinem Arzt Dr. Naumann, der Kollegin Elsa aus Hamburg, seinem Vermieter Alfred und später auch vom Kriminalrat Rodenstock. Gemeinsam gelingt es ihnen schließlich, Licht ins Dunkel zu bringen, aber nicht ohne ordentlich Dreck aufzuwirbeln und einiges an sprichwörtlich verbrannter Erde zu hinterlassen.

Im Großen und Ganzen ist es eine sehr brutale und verwirrende Geschichte, in die ich mich erst reinfinden musste.

Jacques Berndorf, Pseudonym des Journalisten Michael Preute, schreibt leider nicht so genial wie ein Grisham oder eine Elizabeth George. So finden sich auch leichte Logikfehler im Text. In einer Szene schaut Baumeister aus dem Fenster und beobachtet eine Katze. Dann befragt er eine Freundin des Toten. Und dann dreht er sich wieder zum Fenster um, obwohl nicht erwähnt wurde, dass er sich zuvor vom Fenster weggedreht hatte.

Die Geschichte selbst und der Umgang der Hauptperson mit den anderen Charakteren ist alles andere als liebevoll. Obwohl zwischen Elsa und Siggi ein gegenseitiges sexuelles Interesse angedeutet wird, geht Baumeister nicht zärtlich mit Elsa um. Der Hauptcharakter wirkt unverschämt, arrogant, besserwisserisch. Dadurch kann der Leser nicht wirklich Sympathie für den Protagonisten empfinden oder entwickeln. Auch wenn er verprügelt wird, was ja schon Mitleid erregt, weiß er alles besser und macht alles richtig. Er gibt jedem, auch wenn sie nicht unter seinem Befehl stehen, Anweisungen und alle anderen gehorchen, auch wenn sie nie verstehen, warum sie das nun tun sollen. Meines Erachtens hätte der Protagonist noch ein paar Fehler mehr machen und dann ein schlechtes Gewissen haben müssen, um wieder sympathisch zu erscheinen. Aber so erscheint mir die Hauptfigur eine Fehlkonstruktion zu sein.

Die Figur des Kriminalrats Rodenstock, der in den späteren Büchern eine viel stärkere Rolle spielen wird, ist ebenfalls sehr schwach gezeichnet. Er wird auf Schokolade, Kognak und Zigarren reduziert. Sehr schade und bedauerlich! In dieser Figur steckt schließlich so viel Potenzial … Berndorf verwendet kaum Merkmale einer Charakterisierung, was vielleicht daran liegt, dass er Journalist ist und kriminalliterarisches Schreiben nie erlernt hat.

So werden Personen generell nicht vorgestellt. Figuren, die der Protagonist kennt, sollte er zum Beispiel durch kleine Anekdoten charakterisieren. Die Geschichte wird nämlich von Baumeister in der Ich-Perspektive erzählt. Auch seine Gedanken und Handlungen erklärt er nicht. Der Leser wird lange Zeit im Dunkeln gelassen, was für die Spannung sehr gut ist, aber leider auf die falsche Erzählperspektive schließen lässt. Vielleicht wäre Berndorf mit einer anderen besser bedient gewesen. Auch ist mir der Sinn und die Bedeutung des Titels im Verhältnis zur Geschichte bis jetzt nicht klar geworden. Was soll das?

Der Spannungsaufbau hingegen ist fantastisch. Man ist von Anfang an direkt mitten in der Geschichte, hat kaum Zeit, sich zu erholen, weil dauernd etwas passiert. Die Lösung zum Schluss ist plausibel und doch ein wenig überraschend, wenn auch nur wenige Verdächtige präsentiert werden. Der Antagonist steht relativ früh fest und eigentlich geht es nur noch darum, die genauen Umstände und das Motiv herauszubekommen. Ein bisschen schade. Die Spionagegeschichte, die noch hineingestrickt wird, verkompliziert die gesamte Handlung künstlich noch mehr. Man verliert als Leser leicht den Überblick, bekommt Informationen nur bröckchenweise, während der Protagonist schon längst mehr weiß und es dem Leser nicht verrät (z. B. zu Beginn die Namen der Toten).

Insgesamt muss ich damit leider sagen, dass es kein Buch/Roman ist zum Vergöttern, von dem man sagen würde, man hat es gerne gelesen. Es ist keine schöne Geschichte, man liest nur weiter, weil man wissen will, wie es ausgeht.

Die einzelnen Kapitel sind sehr lang, nicht in Absätze/Szenen unterteilt. Das wirkt unstrukturiert.

So findet man sich als Leser manchmal ohne Vorwarnung von einem auf den nächsten Satz plötzlich in einem ganz anderen Umfeld wieder. Die Geschichte ist teilweise so schnell, dass ich das Gefühl hatte, der Autor kam manchmal mit dem Schreiben nicht nach! Wenn man der Geschichte glauben darf, ist das einzige, worin Berndorf sich wirklich gut auskennt, Pfeife rauchen …

Mein Fazit lautet also: Idee und Spannung sind sehr gut, aber die Umsetzung lässt zu wünschen übrig! Wer sich an schwachen Charakterisierungen und einer Überdosis Gewalt nicht stört, ist bei diesem Buch allerdings bestens aufgehoben! (sth, 23.11.2008)

Dienstag, 4. November 2008

Rita Mae Brown, „Maus im Aus“

53 Kapitel, 334 Seiten, Taschenbuch, broschiert
VerlagUllstein Buchverlage GmbH, Berlin 2004
ISBN978-3-548-26247-5
Original-TitelThe Tail of the Tip-Off
Original-VerlagBantam Books, New York 2003
ÜbersetzerinMargarete Längsfeld
gelesenvom 08.10.2008 bis 04.11.2008
Empfehlungsehr gut (1+)

Mary Minor „Harry“ Haristeen und ihre Freunde aus Crozet, Virginia, genießen die Basketballspiele der UVA-Frauenmannschaft. Bis zu jenem verhängnisvollen Spiel, als der Bauunternehmer H. H. Donaldson, der kurz zuvor seine Frau und seiner Tochter verlassen hatte, auf dem Parkplatz tot zusammenbricht. Der zunächst angenommene Herzinfarkt entpuppt sich schnell als Mord, auch wenn weder Tatwaffe noch die genauen Umstände bekannt sind. Auch das Gift, an dem er starb, lässt sich lange Zeit nicht herausfinden. Lediglich eine kleine Wunde am Hals weckt das Interesse von Sheriff Rick Shaw und Deputy Cynthia Cooper. Harry und ihre klugen Haustiere beginnen daraufhin, auf eigene Faust zu ermitteln. Harry nimmt es persönlich, weil sie bei den Basketballspielen unmittelbar hinter H. H. gesessen hatte. Kurz darauf wird einem UVA-Schiedsrichter eins über den Schädel gehauen und eine Bauinspektorin findet grausam den Tod. Lange Zeit scheint H. H.s Witwe die Täterin zu sein, bis Harry und ihre Tiere, die Katzen Mrs. Murphy und Pewter sowie die Corgi-Hündin Tucker, herausfinden, wie H. H. Donaldson umgebracht wurde. Daraufhin lockt Harry den mutmaßlichen Täter in eine Falle, doch über das wahre Ausmaß der Verbrechen hat sie keine Ahnung, weshalb sie wieder einmal um ihr Leben bangen muss. Unerwartete Hilfe erhält sie dabei von der ihr verhassten BoomBoom – und so können sie schließlich doch noch unversehrt das Rätsel lösen.

Rita Mae Brown schreibt wie immer genial und sehr detailliert. Man bemerkt als Leser sofort ihre Liebe zum Detail. Sie macht dieses Mal auf besonders viele Nebenhandlungen aufmerksam, z. B. die neuen Teppiche im Pfarrhaus, der Materialdiebstahl im Basketballstadion, die Predigterstellung von Pfarrer Herb oder auch der einer Architektin zugelaufene Hund.

Brown schreibt wie immer sehr kurzweilig und anschaulich. Sie gibt kluge Ratschläge, bedient sich intelligenter Vergleiche und lässt ihre Leser an ihrer Lebensweisheit teilhaben. Zum Beispiel regt folgender Dialog (Seite 44) ja durchaus zum Nachdenken an:

»Es ist komisch, nicht?«
»Das Leben?«
»Ja.«

Die Übersetzerin hat gute Arbeit geleistet – wenn man mal großzügig vom Buchtitel absieht.

Insgesamt macht es mir wieder mächtig Spaß, das Neueste aus Crozet und die Erkenntnisse von Mrs Murphy, Pewter, Tucker und ihrem Frauchen und den anderen Menschen zu lesen. Wie alle Brown-Bücher meine absolute Empfehlung! (sth, 04.11.2008)

Dienstag, 7. Oktober 2008

Donna Leon, „Venezianisches Finale“

25 Kapitel, 239 Seiten, Hardcover, gebunden
VerlagSüddeutsche Zeitung GmbH, München 2006
ISBN978-3-86615-257-1
Original-TitelDeath at La Fenice
ÜbersetzerinMonika Elwenspoek
gelesenvom 01.09.2008 bis 06.10.2008
Empfehlungsehr gut (1)

Der deutsche Stardirigent Helmut Wellauer wird in der zweiten Pause der Aufführung von Verdis Oper „La Traviata“ tot in seiner Garderobe aufgefunden. Commissario Brunetti findet schnell heraus, dass der Kaffee vergiftet war und dass der als Musiker so geschätzte Wellauer als Mensch umso verhasster war. Brunetti spricht mit der Witwe, den Kollegen, darunter die berühmte Signora Flavia Petrelli mit ihrer ständigen Begleiterin Brett Lynch, sowie alten Freunden und Bekannten. Ganz allmählich bekommt Brunetti ein Bild von dem Mann, stetig sammelt er neue Fakten und Geschichten. Er lässt sich von seinem Vorgesetzten nicht unter Druck setzen und geht ganz seiner eigenen Intuition nach. Und so kann er schlussendlich das verzwickte Rätsel auch lösen.

Donna Leon benutzt für ihre Charakterisierungen selten Adjektive, sondern oftmals lässt sie die Charaktere sich selbst beschreiben, indem sie zeigt, wie sie sind, anstatt zu schreiben, wie sie sind.

Man erfährt als Leser unheimlich viel über den Protagonisten, Brunetti, weil man ihn ständig begleitet und die Fortschritte, die er als Ermittler macht, mitverfolgen kann. Aber auch über sein Privat- und Innenleben erfährt man viel, weil Donna Leon oft auch Brunettis Gedanken einfließen lässt. So denkt er viel über alle möglichen Details nach, oder auch, wie er seine Befragungen durchführen soll. Er beweist damit viel Einfühlungsvermögen.

Mir gefällt das Buch ausnehmend gut, auch weil man Donna Leon anmerkt, wie sehr sie die Stadt Venedig liebt. Außerdem fördern die abwechselnden Passagen von Landschaftsbeschreibungen und Befragungen/Dialogen den Lesefluss. Logisch führt eine Aktion zur nächsten, nichts, was beschrieben wird, wirkt aufgezwungen oder dem Zufall überlassen. Herrlich! So soll es sein.

Die Übersetzung ist im Allgemeinen auch gut, lediglich an wenigen Stellen habe ich das Gefühl, dass die Übersetzung nicht richtig sein kann. Vermutlich hat Donna Leon eine Lieblingsformulierung. Auf jeder gefühlten zehnten Seite steht so etwas wie „Wenn [bzw.] falls [dies oder jenes geschehen oder nicht geschehen ist], so ließ er/sie es sich nicht anmerken“. Ich glaube nicht, dass dies als Humoreinlage beabsichtigt ist, von daher wirkt die Häufung regelrecht lächerlich. Deshalb der Punktabzug und keine 1+ mit Sternchen ;-)

Meine Lieblingsautorin, Rita Mae Brown, sagte über dieses Buch: „Ein mitreißendes Debut: betörend und ein bisschen unheimlich wie Venedig selbst. Glänzend und unwiderstehlich.“ Die Geheimnisse, Geschichten und Anekdoten rund um den Stardirigenten fördern diese Atmosphäre natürlich – und so kann mein Fazit nur lauten: Ein rundum gelungenes Buch. Bitte noch viel mehr davon! (sth, 07.10.2008)

Sonntag, 31. August 2008

Peter Kröning, „Auch Genies können irren …“

20 Kapitel, 334 Seiten, gebundene Ausgabe
VerlagLangen/Müller, 2003
ISBN978-3-7844-2902-5
gelesenvom 15.07.2008 bis 29.08.2008
Empfehlunggut (2)

Der Autor Peter Kröning, studierter Chemiker, zeigt in seinem Buch in zwanzig Kapiteln je eines der größten wissenschaftlichen Irrtümer der Menschheit auf. So handelt ein Kapitel von den Alchemisten, die nach wie vor daran glauben, dass aus beliebigen Materialien Gold hergestellt werden könne, was chemisch betrachtet gar nicht funktionieren kann. Andere Wissenschaftler glauben fest daran, dass die Erde innen hohl sei – und jeder Fakt, der gegen die Theorie spricht, wird wie üblich so interpretiert, dass die Theorie wieder passt. Ein weiteres Kapitel erklärt hingegen, dass die heute allgemein anerkannte Evolutionstheorie Charles Darwins mit vielen Fakten aus der Biologie nicht in Einklang zu bringen ist. Auch die Urknall-Theorie besitzt eklatante Schwächen und die Theorie, dass der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid den Treibhauseffekt verursacht, ist ebenso zweifelhaft. Weitere Irrtümer sind der Glaube, dass Tierversuche nötig seien, um Medikamente für Menschen zu finden und herzustellen, und der ehemalige Glaube, die Bakterien besiegt zu haben. Folgen hieraus sind eine schreckliche Tierquälerei und eine Züchtung von widerstandsfähigen Bakterien. Kurzum: Peter Kröning zeigt in seinem Buch auf, wie Wissenschaftler oft über mehrere Jahre an den größten Blödsinn glauben, dafür aber diejenigen, die eine – vielleicht unbequeme – Wahrheit entdecken, einen Lügner schimpfen.

Das Buch, das als Untertitel „Glücksfälle und Fehlurteile der Wissenschaft“ trägt, ist ein so genanntes populärwissenschaftliches Sachbuch. Das heißt nichts anderes, als dass den Lesern wissenschaftliche Zusammenhänge und Tatsachen in einer sehr lockeren, unwissenschaftlichen Sprache, also quasi im Plauderton, beigebracht werden. Jedem, der das hier liest, muss klar sein, dass es sich hierbei nicht um ein Lesebuch oder -roman im herkömmlichen Sinn handelt. Das Buch ist ein Sachbuch, kein wissenschaftlicher Roman – und damit hat es keine durchgehende Haupthandlung etc.

Voraussetzung dafür, dass man am Lesen dieses Buch Spaß hat, ist meiner Meinung nach auch ein allgemeines Interesse und Spaß an Naturwissenschaften. Grundkenntnisse der Naturwissenschaften, hauptsächlich Chemie und Biologie, aber auch Physik, sind sehr vorteilhaft und erleichtern das Verständnis und somit das Lesen. Denn es tauchen hin und wieder Fachbegriffe wie Atomgewicht, die nicht alle im Glossar erklärt werden, oder chemische Formeln (H2O sollte jeder als chemische Formel für Wasser kennen) auf.

Zum Teil geht das Buch sehr in wissenschaftliche Details, beispielsweise bei der Erklärung der DNS-Struktur. Insgesamt gesehen ist es ein sehr anspruchsvolles Buch, das ich nicht als Bettlektüre oder zur Zerstreuung empfehlen würde.

Peter Kröning zeigt in seinem Buch auch immer wieder das Nichtwissen der Menschheit und die Grenzen der Naturwissenschaften auf. Bei tiefer gehender Betrachtung kann dies zu einer ernüchternden Erkenntnis führen.

Nichtsdestotrotz habe ich das Buch mit Spannung und naturwissenschaftlicher Hingabe gelesen. Die erstaunlichen Anekdoten runden das Buch, dass mit einigen Irrtümern und Irrglauben kräftig aufräumen möchte, auf originelle Weise ab. Auch wird den meisten erst nach der Lektüre dieses Buches klar sein, wie anstrengend eine wissenschaftliche Karriere und mit welchem Aufwand eine einzige Entdeckung verbunden sein kann. Summa summarum ist dieses Buch also für den Hobby-Wissenschaftler und interessierten Leser durchaus zu empfehlen, alle anderen würde ich jedoch zumindest vom Kauf dieses imposanten Buches abraten. (sth, 31.08.2008)

Montag, 14. Juli 2008

Rita Mae Brown, „Die Katze lässt das Mausen nicht“

53 Kapitel, 304 Seiten, Taschenbuch, broschiert
VerlagUllstein Buchverlage GmbH, Berlin 2004
ISBN978-3-548-25893-5
Original-TitelCatch as Cat can
Original-VerlagBantam Books, New York 2002
ÜbersetzerinMargarete Längsfeld
gelesenvom 11.06.2008 bis 14.07.2008
Empfehlungsehr gut (1+)

Mysteriöses geht vor in der sonst so idyllischen Kleinstadt Crozet, Virginia. Zunächst werden die Radkappen von Miranda Hogendobbers Ford Falcon gestohlen, dann stirbt bei einem Fest ein junger Mechaniker. Kurz darauf wird der Radkappen-Dieb enttarnt, der nicht aus Crozet stammt und der zudem einen falschen Namen angegeben hat, wie Sheriff Rick Shaw und Deputy Cynthia Cooper herausfinden, als der Dieb erhängt aufgefunden wird. Als eine dritte Leiche zur Entdeckung einer halben Million Dollar führt, suchen alle fieberhaft nach einer Erklärung und vermuten Drogen im Spiel — allen voran wie immer die Hobby-Detektivin Mary Minor „Harry“ Haristeen, ihres Zeichens Posthalterin von Crozet und stolze Besitzerin der ebenso detektivisch tätigen Haustiere Mrs Murphy, Pewter und Tucker. Haben die beiden Diplomaten-Besucher aus Uruguay vielleicht etwas damit zu tun? Harry hofft es nicht, schließlich wird sie von Diego sehr umschwärmt, was ihrem Ex-Mann Fair sehr missfällt, da er selbst noch starke Gefühle für sie empfindet. Am Ende kommt es wie immer zum großen Showdown und Harry und die Polizei können alle Angelegenheiten restlos aufklären.

Rita Mae Brown schreibt wie immer genial und sehr detailliert. Man merkt als Leser sofort ihre Liebe zur Natur, speziell zur Gegend um Crozet, Virginia. So schreibt sie besonders in diesem Roman viel über die Hartriegel-Blüten und den dazu gebräuchlichen Festen und anderen Bräuchen, etwa Waschbärjagd, Hartriegelfest und Abbruchball.

Die Spannung steigt mit jedem Kapitel über scheinbar belanglose Dinge wie ein toter Helmspecht oder die gestohlenen Radkappen. Brown schreibt somit sehr kurzweilig und immer wieder sehr anschaulich. Sie gibt kluge Ratschläge und bedient sich intelligenter Vergleiche. Eigentlich gilt das selbe, was ich bereits für das Buch „Mord auf Rezept“ festgestellt habe (s. Rita Mae Brown, „Mord auf Rezept“).

Die Geschichte ist auch dieses Mal gut übersetzt; außer vielleicht der Buchtitel. Dieser will mir nicht so recht verraten, was er mit dem Inhalt zu tun haben soll.

Insgesamt macht es mir wieder mächtig Spaß, das Neueste aus Crozet und die Erkenntnisse von Mrs Murphy, Pewter, Tucker und ihrem Frauchen und den anderen Menschen zu lesen. Erneut meine absolute Empfehlung! (sth, 14.07.2008)

Mittwoch, 11. Juni 2008

Jan Weiler, „Maria, ihm schmeckt’s nicht“

13 Kapitel, 276 Seiten, Taschenbuch, broschiert/kartoniert
VerlagUllstein Buchverlage, 2004
ISBN978-3-548-26426-4
gelesenvom 19.05.2008 bis 10.06.2008
Empfehlungmangelhaft (5+)

Jan Weiler beschreibt in seinem Buch die ersten und viele weitere Begegnungen mit seinem (künftigen) Schwiegervater Antonio, der ihm seine eigene Welt in vielen Anekdoten erklärt. Zentraler Dreh- und Angelpunkt ist Italien, Antonios Heimat, in welches viele gemeinsame Reisen führen.

Leider kann ich dieses Buch überhaupt nicht empfehlen. Jan Weiler schreibt zwar nicht schlecht, sehr flüssige, locker leichte Sprache, jedoch kann er mich nicht vom Unterhaltungswert seines Werks überzeugen.

Die „Geschichten von [seiner] italienischen Sippe“ (Untertitel) fangen zwar gut an, doch lassen nach einem langatmigen Mittelteil leider einen schwachen Abgang folgen.

Während die italienische Ausdrucksweise und Aussprache am Anfang noch amüsiert, stumpft der Effekt nach den Anfangskapiteln erheblich ab. Auch folgen immer wieder ähnliche Dialoge, immer wieder die gleichen Witze und Situationen, sodass das Buch irgendwann nicht mehr amüsiert, sondern nervt. Hinzu kommen scheinbar unzählige Reisen nach Italien. Kommt Jan Weiler in Kapitel x gerade aus Italien zurück und schwört, niemals wieder dort hin zu fahren, so fährt er bereits in Kapitel y wieder dort hin. Eine Reise folgt der nächsten – eine Erzählweise ohne erkennbare Zusammenhänge. Manche Kapitel folgen zeitlich direkt aufeinander, andere haben Wochen oder Monate dazwischen.

Den größten Teil des Buch nimmt Antonios Lebensgeschichte ein, angefangen mit seiner Kindheit über seine Jugend bis hin zu seinem Leben im Hier und Jetzt. Leider sind die Ausflüge in die Vergangenheit weder besonders interessant noch witzig, insgesamt also kaum unterhaltsam!

Axel Hacke schrieb zu diesem Buch: „Wer noch keine italienischen Verwandten hat, wird nach der Lektüre unbedingt welche haben wollen.“ Dazu kann ich nur sagen: Nach der Lektüre will ich definitiv keine mehr haben!
Der Stern schrieb: „Ein unverzichtbarer Beitrag zur deutsch-italienischen Freundschaft. Und saukomisch.“ Unverzichtbar ist das Buch keinesfalls, obwohl es schon zur deutsch-italienischen Freundschaft beitragen könnte, da man als Leser viel über die Italiener erfährt und ihnen so doch etwas näher kommt. Saukomisch finde ich das Buch allerdings nicht, stellenweise ist es ganz amüsant.
Der Spiegel schrieb: „Jan Weiler spielt gewitzt mit Sprach- und Nationenstereotypen.“ Er bedient sich dieser Stereotypen, aber unter einer gewitzten Spielerei verstehe ich etwas ganz anderes.

Summa summarum lautet mein Urteil: Man muss das Buch nicht gelesen haben, ich kann aber auch nicht komplett davon abraten, da es ja Ihren Geschmack treffen könnte. (sth, 11.06.2008)

Sonntag, 27. April 2008

Shelley Freydont, „Tödliches Sudoku“

29 Kapitel, 343 Seiten, Taschenbuch, broschiert
VerlagRowohlt Taschenbuch Verlag, August 2007
ISBN978-3-499-24608-1
Original-TitelThe Sudoku Murder
Original-VerlagAvalon Publishing, New York 2007
ÜbersetzerinTamara Willmann
gelesenvom 19.04.2008 bis 27.04.2008
Empfehlungsehr gut (1–)

Professor Avondale arbeitet und wohnt im Avondale Puzzle Museum in der Kleinstadt Granville in New Hampshire. Da er in (finanziellen) Schwierigkeiten steckt, ruft er seine geniale Freundin Kate McDonald zu Hilfe. Sie verspricht ihm zu helfen, doch kann nicht verhindern, dass der Professor ermordet wird. Sie wird sofort von Polizeichef Brandon Mitchell, dem als Zugezogener die Einheimischen kräftig Paroli bieten, als Hauptverdächtige Nr. 1 deklariert. Nun muss sie, auf sich allein gestellt, die verschwundenen Schecks finden, die allein das Museum vor dem Verkauf an ein Konsortium retten können, außerdem Professor Avondales Schützling Harry auftreiben und die Einwohner Granvilles gegen das geplante Einkaufszentrum mobilisieren. Dadurch schafft sie sich nicht wenige Feinde — und wird Opfer von Einschüchterungsversuchen —, doch hin und wieder erhält sie auch unerwartete Hilfe. Mithilfe eines Hinweises, den der Professor kurz vor seinem Dahinscheiden in einem Sudoku versteckt hat, kann Kate schließlich das Museum retten und den Mörder aufspüren.

Zunächst einmal finde ich als Rätsel- und Sudoku-Liebhaber und begeisterter Krimi-Leser die Idee interessant, ein Sudoku als Schlüssel zur Lösung eines Kriminalfalles einzubauen. Auch wenn der Titel „Tödliches Sudoku“ vielleicht erwarten ließe, dass es viel mehr um Sudokus ginge bzw. dass das Sudoku eine noch größere Rolle spielte.

Die einzelnen Kapitel haben keine Überschrift und keine Nummer, sondern Sudokus, die mit zunehmender Seitenzahl schwieriger werden. Auffällig ist auch, dass die Regeln von Sudokus an keiner einzigen Stelle erklärt werden, was es für unwissende Leser stellenweise schwierig machen dürfte, den Erklärungen der Protagonistin zu folgen.

Die Protagonistin wird oft mit der ihr teilweise recht unangenehmen Vergangenheit konfrontiert und sie muss allerlei durchstehen. Der gealterte Professor hingegen versinkt regelmäßig in seine Sudokus, zieht sich komplett aus der Außenwelt zurück und ist Kate dadurch keine große Hilfe. Dennoch gelingt es ihr schließlich — und ich freue mich außerordentlich über den sehr passenden Vergleich —, das Puzzle Stück für Stück zusammensetzen zu können.

Die Geschichte wird von einem allwissenden Er-Erzähler erzählt, wenn auch ausschließlich Kates Handeln verfolgt wird. Kates Gedanken werden kursiv dargestellt, was dem Leser die Unterscheidung von ihren Gedanken und allgemeinen Erkenntnissen doch sehr erleichtert. Freydont benutzt eine sehr lockere leichte Sprache, quasi im Plauderton. Das lässt sie sehr sympathisch erscheinen und einige ihrer Mankos vergessen.

So merkt man leider relativ früh, dass die Geschichte einen Hang zur heilen Welt hat. So ist die Tatsache, dass am Ende alles gut ausgeht, keine Überraschung. Freydont hält sich auch nicht an einen Grundsatz der Schreibkunst: Lass deinen Protagonisten das Schlimmste erleben, was geht. Im Großen und Ganzen ist die Geschichte harmlos, ein Soft-Krimi. Leider fast ganz ohne Humoreinlagen!

So wirken viele Stellen unglaubwürdig und unrealistisch. Die Sekretärin bewahrt belastendes Beweismaterial auf und vernichtet es nicht mal, als sie Kate McDonald quasi beim Schnüffeln erwischt. Nichtsdestotrotz ist die Story von Anfang bis Ende spannend und die Lösung wird auch nur Schritt für Schritt erreicht.

Entgegen der zuvor hier besprochenen Bücher ist das vorliegende Buch ausgesprochen gut übersetzt worden. An dieser Stelle also mein Kompliment an die Übersetzerin!

Trotz einiger kleiner Mankos war ich also sehr begeistert von der Geschichte und den sympathischen Hauptfiguren, die teilweise noch besser ausgearbeitet hätten werden können. Und deswegen kann mein Urteil nur lauten: Bitte mir nachmachen und selbst lesen! (sth, 27.04.2008)

Samstag, 19. April 2008

Rita Mae Brown, „Mord auf Rezept“

49 Kapitel, 290 Seiten, Taschenbuch, broschiert (Sammelband: diese Geschichte und „Rache auf leisen Pfoten“)
VerlagUllstein (Econ Ullstein List Verlag), Februar 2006
ISBN978-3-548-26384-7
Original-TitelClaws and Effect
Original-VerlagBantam Books, New York 2001
ÜbersetzerinMargarete Längsfeld
gelesenvom 25.03.2008 bis 18.04.2008
Empfehlungsehr gut (1)

Der technische Leiter des Crozet Hospitals, Hank Brevard, wird im Heizungskeller brutal ermordet. Die meisten Leute in der Kleinstadt Crozet in Virginia beunruhigt dies nicht weiter, kannten und mochten sie den mürrischen Leiter eh nicht besonders. Aufregung verursacht dagegen eher Little Mims Kandidatur fürs Bürgermeisteramt, da sie die Tochter des amtierenden Bürgermeisters ist. Mary Minor „Harry“ Haristeen findet jedoch den Mord höchst merkwürdig und beginnt im Heizungskeller zu recherchieren, wo sie kurzerhand bei ihren Ermittlungen niedergeschlagen wird. Als dann auch noch ein beliebteres Mitglied der Crozet-Gesellschaft nach einer Fuchsjagd ermordet wird, beginnen Sheriff Rick Shaw und andere eine Verbindung zwischen den Morden und Crozet Hospital herzustellen. Krankenhaus-Direktor Sam Mahanes weist alle Vorwürfe von sich und Crozet Hospital, doch schließlich finden sich Ungereimtheiten, denen Rick Shaw sowie seine Mitarbeiterin Cynthia Cooper und natürlich die Hauptfigur, Posthalterin Harry Haristeen, samt ihres tierischen Gefolges, bestehend aus der Tigerkatze Mrs. Murphy, deren fetten Katzenfreundin Pewter sowie der Corgi-Welsh-Hündin Tee Tucker, nachgehen. Die Tiere finden mal wieder des Rätsels Lösung und retten Frauchen Harry wieder einmal das Leben bei einer wilden Verfolgungsjagd, der die Verhaftung des Mörders folgt.

Wie immer schreibt Rita Mae Brown kurzweilig und interessant. Sie fängt die Stimmung ein und beschreibt anschaulich das Leben in der Kleinstadt Crozet, Virginia. Sie bedient sich dabei vieler schöner Vergleiche und der allwissenden Erzählweise. Von Kapitel zu Kapitel erfährt man Neuigkeiten, jeweils aus der Sicht eines anderen Charakters.

Das Buch beginnt, wie alle anderen der Mrs.-Murphy-Reihe, mit einer Widmung und der Vorstellung aller Charaktere („Personen der Handlung“) und endet mit einem Abschlusswort von der Co-Autorin Sneaky Pie Brown, Rita Mae Browns Katzenstarautorin. Durch die Einleitung, dem „Personen der Handlung“-Teil, erhält der Leser bereits eine erste Charakterisierung und einen ersten Einblick in das spannende und interessante Leben von Crozet. In jedem Buch der Reihe gibt es Hauptcharaktere, wie etwa Harry, Mrs. Murphy, Pewter und Tucker, sowie Rick Shaw, Cynthia Cooper, Little Mim, Big Mim und weitere. Daneben gibt es noch zahlreiche Nebenfiguren, die nur in dieser Geschichte auftauchen, hier etwa Sam Mahanes und weiteres Personal aus dem Krankenhaus. Doch auch über die bekannten Figuren lernt der Leser in jedem Buch weitere Details aus deren Leben kennen, die bisher noch keine Erwähnung fanden. Dies alles trägt dazu bei, dass man die gesamte Crozet-Gesellschaft zu lieben beginnt.

Teilweise holpern die deutschen Sätze ein wenig, wo ich das Gefühl habe, dass eine andere Übersetzung verständlicher gewesen wäre. Das tut dem Buch jedoch keinen Abbruch.

Sehr schön finde ich jedenfalls immer wieder die klugen Sätze und Erkenntnisse, die die Menschen und Tiere in Browns Romanen von sich geben. Denn auch die Tiere können sich verständigen, allerdings nur untereinander und nicht mit den Menschen. Wenn man das mag, kann man sich als Leser dem Bann der Crozet-Bücher nicht mehr entziehen!

Ich kann jedenfalls nur der Hamburger Morgenpost zustimmen, die da feststellte: „Die mörderischen Geschichten aus dem idyllischen Städtchen Crozet haben mittlerweile Kultstatus!“ Für mich kann deshalb nur gelten: Ich bin in die Reihe ganz vernarrt! Meine Empfehlung! (sth, 19.04.2008)

Montag, 24. März 2008

Elizabeth George, „Mein ist die Rache“

28 Kapitel, 478 Seiten, Taschenbuch, broschiert (Sammelband: „Gott schütze dieses Haus“ und oben genannte Geschichte)
VerlagGoldmann Verlag, Juli 2007
ISBN978-3-442-46439-5
Original-TitelA Suitable Vengeance
Original-VerlagBantam Books, New York 1991
ÜbersetzerinMechthild Sandberg-Ciletti
gelesenvom 11.02.2008 bis 21.03.2008
Empfehlunggut (2)

Der adlige Inspector Thomas Lynley vom New Scotland Yard – oder auch Lord Asherton – und seine Verlobte, die Fotografin Deborah Cotter, planen einen Wochenende auf dem feudalen Wohnsitz der Ashertons, Howenstow in Cornwall. Ihre besten Freunde, den Wissenschaftler Simon St. James und Lady Helen Clyde, sowie Deborahs Vater nehmen sie mit. Auch Simons Schwester Sidney kommt mit ihrem Freund Justin Brooke. Lynleys drogenabhängiger Bruder Peter taucht mit seiner neuen Flamme Sasha ebenfalls auf. Damit sind bereits genügend Konflikte programmiert. Während Lynley allerlei Verpflichtungen nachkommen muss, wird im Nachbarort Nanrunnel Mick Cambrey ermordet und entmannt. Der Journalist ist gleichzeitig auch Ehemann von Nancy, der Tochter von Howenstow-Verwalter John Penellin.
Für die Polizei ist schnell klar, dass Penellin seinen Schwiegersohn umgebracht hat. Lynley muss Nancy versprechen, den wahren Täter zu finden. Dabei helfen ihm selbstverständlich St. James, Helen und Deborah. Micks Vater Harry Cambrey findet in seiner Redaktion Hinweise auf eine große Story, die der Grund für Micks Ermordung sein könnte. Doch wie viel ist dran an der großen Drogenschmuggel-Geschichte? Drogen spielen jedenfalls erst mal in einem anderen Zusammenhang eine Rolle: Justin Brooke greift wütend Sidney St. James an, weil sie seine Drogen wegwirft. Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse: Justin Brooke stirbt in einer stürmischen Nacht, Deborahs Fotoausrüstung verschwindet, ebenso verschwinden Peter Lynley mit Sasha sowie Sidney St. James. Schließlich und endlich lassen sich Zusammenhänge erkennen zwischen Deborahs ebenso verschwundener Nachbarin Tina Cogin, Mick Cambrey, Justin Brooke und Dr. Roderick Trenarrow, der Freund von Lynleys Mutter. Es kommt schließlich zum großen Showdown und alle Fragen werden geklärt, doch nicht alles geht gut aus …

Die Geschichte ist vom Aufbau her ein typisch englischer Kriminalroman. Elizabeth George fängt zunächst die Stimmung ein und beschreibt etliche rätselhafte Ereignisse. Der Tote wird erst auf Seite 132, also etwa nach einem Viertel der Geschichte, gefunden; doch die Spannung wird natürlich von Anfang bis Ende gehalten. Dies mag auch an den vielen kleinen Nebenhandlungen liegen, die das Buch so außerordentlich interessant und vielseitig gestalten – und die obige Zusammenfassung des Inhalts doch sehr erschwert haben. George hat ihren Krimi so genial konstruiert und aufgebaut, dass eine Zusammenfassung des Inhalts, bei der natürlich so wenig wie möglich verraten werden soll, zu einer großen Herausforderung wird.
Susan Elizabeth George verwendet eine lebendige, bildreiche Sprache mit vielen Beschreibungen und treffenden Vergleichen. Leider sind ihre Sätze teils etwas schwierig aufgebaut. Auch hatte ich manchmal das Gefühl, dass einzelne Sätze furchtbar schlecht übersetzt wurden. Im Großen und Ganzen liest es sich jedoch recht flüssig. (Etwas merkwürdig ist auch, dass manche Kapitel eine Überschrift haben und andere nicht.)
Die Geschichte wird oft persönlich – durch die vielen privaten Verstrickungen der Hauptcharaktere: das gestörte Verhältnis zwischen Thomas und Peter Lynley, der Riss in Deborahs und Simons Beziehung vor ihrem Amerika-Aufenthalt (nach dem sie sich mit Lynley verlobt), Lynleys Hass auf Dr. Trenarrow etc. pp. — Seit Beginn wird die Geschichte aus persönlicher Sicht der Hauptcharaktere erzählt. Die polizeilichen Ermittlungen stehen nicht wirklich im Vordergrund.
Aber vielleicht auch gerade dadurch erhält das Buch seinen besonderen Reiz und die nicht abreißende Spannung. Mehrmals finden Wenden statt, die alle bisher gesammelten Fakten in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Eine kleine Problematik ergibt sich aus den Veröffentlichungszeiträumen der einzelnen Romane der Thomas-Lynley-Reihe: „Mein ist die Rache“ ist nicht Georges erster Lynley-Roman, aber im Handlungsstrang der Lynley-Welt der bisher früheste Roman. Daher habe ich mich dafür entschieden, mit diesem Roman zu beginnen. Dennoch kann es sein, dass man die vorher erschienenen Romane hätte lesen müssen, um einige Andeutungen zu verstehen, die man sonst nicht mitbekommt.

Insgesamt kann ich nur sagen, dass man die Art und Weise, wie George ihre Krimis aufbaut, und ihren Schreibstil mögen muss, aber die Vielzahl ihrer verkauften Bücher spricht dafür, dass viele Leser meiner Meinung sind: Elizabeth George schreibt einfach genial! Und so freue ich mich schon auf den nächsten Krimi mit Thomas Lynley und Konsorten! (sth, 24.03.2008)

Dienstag, 12. Februar 2008

Charlaine Harris, „Tod in Shakespeare“

11 Kapitel, 252 Seiten, Hardcover, gebunden, mit Umschlag
VerlagRotbuch Sabine Groenewold Verlage, Hamburg 2004
ISBN3-434-53125-4
Original-TitelShakespeare’s Landlord
Original-VerlagSt. Martins Minotaur, New York 1996
ÜbersetzerinAnke Caroline Burger
gelesenvom 30.01.2008 bis 09.02.2008
Empfehlungsehr gut (1+)

Lily Bard ist Putzfrau in Shakespeare, einer verschlafenen Kleinstadt, in die sie vor vier Jahren gezogen ist, um ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen und ein ihr unangenehmes Geheimnis zu bewahren. Als sie eines Abend beobachtet, wie mit ihrem Müllkarren eine Leiche transportiert wird, fürchtet sie, in ein Verbrechen verwickelt zu werden. Sie erkennt die Leiche als diejenige ihres Vermieters Pardon Albee und informiert anonym den Polizeichef Claude Friedrich, der sie schnell als Anruferin in Verdacht hat und auch ihr Geheimnis bald kennt. Während Lily beim Putzen einiges aufschnappt, entwickelt sie ihre eigene Theorie über den Mörder. An Verdächtigen mangelt es jedenfalls nicht, jedoch haben alle ein hieb- und stichfestes Alibi. Schließlich häufen sich Vorfälle, die darauf schließen lassen, dass eine weitere Person Lilys Geheimnis kennt. Bei ihren „Ermittlungen“ erfährt Lily viel Informatives, aber auch physische Gewalt. Nur gut, dass sie Karate-trainiert ist und sich so manches Mal erfolgreich zur Wehr setzen kann. Der gut aussehende Trainer Marshall Sedaka und dessen eifersüchtige, boshafte künftige Exfrau spielen auch eine bedeutende Rolle, bevor es zum großen Showdown kommt und alle Vorkommnisse aufgeklärt werden können.

Das Buch ist spannend vom Anfang bis zum Schluss! Die für den Verlauf der Handlung notwendigen Informationen kommen tröpfchenweise und immer zum genau richtigen Zeitpunkt, sodass die Spannung trotz der relativ frühen Aufklärung des Lesers über Lilys Geheimnis über alle elf Kapitel hinweg bis zum Ende erhalten bleibt. Der Krimi ist in der Ich-Perspektive geschrieben, d. h. von Lily erzählt und ausschließlich aus ihrer Sicht. Für die Geschichte genau die richtige Perspektive – und für die Spannung sowieso: Schließlich wird man als Leser ohne Umschweife direkt in die Handlung katapultiert und erfährt relativ früh, warum Lily nicht als Zeugin auftreten will. Dabei beschreibt die Protagonistin ihren Alltag (über den Zeitraum einer Woche) so kurzweilig, dass man kaum merkt, wie die Zeit vergeht. Ehe man sich versieht, ist das Buch zu Ende und man findet es unglaublich schade. Ihre Tätigkeit als Putzfrau beschreibt sie mit Liebe und Hingabe; und sämtliche Auftraggeber werden durch köstliche Anekdoten charakterisiert. Man erhält den Eindruck, dass alle Charaktere dieses Buches, sowohl Haupt- als auch Nebendarsteller, sorgfältig von der Autorin ausgearbeitet wurden. Charlaine Harris benutzt eine flüssige Sprache, mit jedem Satz taucht man tiefer in die Geschichte hinein und ehe man sich versieht, kann man ihrem Sog nicht mehr widerstehen. Eine größere Rückblende, die Lilys Geheimnis darbietet, ist an der richtigen Stelle und stilistisch sehr schön eingebunden. Harris benutzt des Weiteren Vorausdeutungen (vermutlich um die Spannung zu steigern oder zu halten), allerdings auch einige Beschreibungen und Formulierungen, die ein Ich-Erzähler eigentlich gar nicht wissen kann. Abgesehen von diesem kleinen Manko verwendet sie eine sehr lebendige und bildhafte Ausdrucksweise, die es dem Leser unglaublich erleichtert, sich in das Buch und die Hauptdarstellerin zu verlieben! Insgesamt gesehen ist es ein sehr menschliches Buch. Die Protoganistin ist keine Heldin, sondern eine Frau mit Vorzügen und Fehlern, die mal vernünftig und mal unvernünftig ist, die sowohl zurückstecken bzw. Prügel beziehen muss als auch selbst austeilen kann. Obwohl es als „Krimi“ ausgezeichnet ist, wurde in mir der Eindruck erweckt, dass der Mord am Vermieter teilweise in den Hintergrund gerät und Lilys Liebesbeziehung zum Karate-Trainer oder ihr (aufregender) Alltag nicht minder wichtig sind. Kleine humorvolle Einlagen runden die Geschichte ab. Ich finde es eine gute Idee, als Protogonistin eine Putzfrau auftreten zu lassen; nicht allein, weil dies schon ungewöhnlich genug ist, sondern vor allem, weil sie so an die erforderlichen Informationen gelangt. Sie wird unfreiwillig Zeugin und muss nun zusehen, wie sie sich immer wieder aus dem Kreis der Verdächtigen katapultiert. Dabei ist sie gar keine echte „Hobby-Detektivin“. Es wimmelt von gelegentlichen falschen Spuren zwischen den vielen Hinweisen, aber am Ende ist die Lösung doch logisch. Das macht einen guten Kriminalroman aus!

Meine absolute Empfehlung! (sth, 12.02.2008)