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Sonntag, 31. August 2008

Peter Kröning, „Auch Genies können irren …“

20 Kapitel, 334 Seiten, gebundene Ausgabe
VerlagLangen/Müller, 2003
ISBN978-3-7844-2902-5
gelesenvom 15.07.2008 bis 29.08.2008
Empfehlunggut (2)

Der Autor Peter Kröning, studierter Chemiker, zeigt in seinem Buch in zwanzig Kapiteln je eines der größten wissenschaftlichen Irrtümer der Menschheit auf. So handelt ein Kapitel von den Alchemisten, die nach wie vor daran glauben, dass aus beliebigen Materialien Gold hergestellt werden könne, was chemisch betrachtet gar nicht funktionieren kann. Andere Wissenschaftler glauben fest daran, dass die Erde innen hohl sei – und jeder Fakt, der gegen die Theorie spricht, wird wie üblich so interpretiert, dass die Theorie wieder passt. Ein weiteres Kapitel erklärt hingegen, dass die heute allgemein anerkannte Evolutionstheorie Charles Darwins mit vielen Fakten aus der Biologie nicht in Einklang zu bringen ist. Auch die Urknall-Theorie besitzt eklatante Schwächen und die Theorie, dass der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid den Treibhauseffekt verursacht, ist ebenso zweifelhaft. Weitere Irrtümer sind der Glaube, dass Tierversuche nötig seien, um Medikamente für Menschen zu finden und herzustellen, und der ehemalige Glaube, die Bakterien besiegt zu haben. Folgen hieraus sind eine schreckliche Tierquälerei und eine Züchtung von widerstandsfähigen Bakterien. Kurzum: Peter Kröning zeigt in seinem Buch auf, wie Wissenschaftler oft über mehrere Jahre an den größten Blödsinn glauben, dafür aber diejenigen, die eine – vielleicht unbequeme – Wahrheit entdecken, einen Lügner schimpfen.

Das Buch, das als Untertitel „Glücksfälle und Fehlurteile der Wissenschaft“ trägt, ist ein so genanntes populärwissenschaftliches Sachbuch. Das heißt nichts anderes, als dass den Lesern wissenschaftliche Zusammenhänge und Tatsachen in einer sehr lockeren, unwissenschaftlichen Sprache, also quasi im Plauderton, beigebracht werden. Jedem, der das hier liest, muss klar sein, dass es sich hierbei nicht um ein Lesebuch oder -roman im herkömmlichen Sinn handelt. Das Buch ist ein Sachbuch, kein wissenschaftlicher Roman – und damit hat es keine durchgehende Haupthandlung etc.

Voraussetzung dafür, dass man am Lesen dieses Buch Spaß hat, ist meiner Meinung nach auch ein allgemeines Interesse und Spaß an Naturwissenschaften. Grundkenntnisse der Naturwissenschaften, hauptsächlich Chemie und Biologie, aber auch Physik, sind sehr vorteilhaft und erleichtern das Verständnis und somit das Lesen. Denn es tauchen hin und wieder Fachbegriffe wie Atomgewicht, die nicht alle im Glossar erklärt werden, oder chemische Formeln (H2O sollte jeder als chemische Formel für Wasser kennen) auf.

Zum Teil geht das Buch sehr in wissenschaftliche Details, beispielsweise bei der Erklärung der DNS-Struktur. Insgesamt gesehen ist es ein sehr anspruchsvolles Buch, das ich nicht als Bettlektüre oder zur Zerstreuung empfehlen würde.

Peter Kröning zeigt in seinem Buch auch immer wieder das Nichtwissen der Menschheit und die Grenzen der Naturwissenschaften auf. Bei tiefer gehender Betrachtung kann dies zu einer ernüchternden Erkenntnis führen.

Nichtsdestotrotz habe ich das Buch mit Spannung und naturwissenschaftlicher Hingabe gelesen. Die erstaunlichen Anekdoten runden das Buch, dass mit einigen Irrtümern und Irrglauben kräftig aufräumen möchte, auf originelle Weise ab. Auch wird den meisten erst nach der Lektüre dieses Buches klar sein, wie anstrengend eine wissenschaftliche Karriere und mit welchem Aufwand eine einzige Entdeckung verbunden sein kann. Summa summarum ist dieses Buch also für den Hobby-Wissenschaftler und interessierten Leser durchaus zu empfehlen, alle anderen würde ich jedoch zumindest vom Kauf dieses imposanten Buches abraten. (sth, 31.08.2008)

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