| 11 Kapitel, 252 Seiten, Hardcover, gebunden, mit Umschlag | |
| Verlag | Rotbuch Sabine Groenewold Verlage, Hamburg 2004 |
| ISBN | 3-434-53125-4 |
| Original-Titel | Shakespeare’s Landlord |
| Original-Verlag | St. Martins Minotaur, New York 1996 |
| Übersetzerin | Anke Caroline Burger |
| gelesen | vom 30.01.2008 bis 09.02.2008 |
| Empfehlung | sehr gut (1+) |
Lily Bard ist Putzfrau in Shakespeare, einer verschlafenen Kleinstadt, in die sie vor vier Jahren gezogen ist, um ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen und ein ihr unangenehmes Geheimnis zu bewahren. Als sie eines Abend beobachtet, wie mit ihrem Müllkarren eine Leiche transportiert wird, fürchtet sie, in ein Verbrechen verwickelt zu werden. Sie erkennt die Leiche als diejenige ihres Vermieters Pardon Albee und informiert anonym den Polizeichef Claude Friedrich, der sie schnell als Anruferin in Verdacht hat und auch ihr Geheimnis bald kennt. Während Lily beim Putzen einiges aufschnappt, entwickelt sie ihre eigene Theorie über den Mörder. An Verdächtigen mangelt es jedenfalls nicht, jedoch haben alle ein hieb- und stichfestes Alibi. Schließlich häufen sich Vorfälle, die darauf schließen lassen, dass eine weitere Person Lilys Geheimnis kennt. Bei ihren „Ermittlungen“ erfährt Lily viel Informatives, aber auch physische Gewalt. Nur gut, dass sie Karate-trainiert ist und sich so manches Mal erfolgreich zur Wehr setzen kann. Der gut aussehende Trainer Marshall Sedaka und dessen eifersüchtige, boshafte künftige Exfrau spielen auch eine bedeutende Rolle, bevor es zum großen Showdown kommt und alle Vorkommnisse aufgeklärt werden können.
Das Buch ist spannend vom Anfang bis zum Schluss! Die für den Verlauf der Handlung notwendigen Informationen kommen tröpfchenweise und immer zum genau richtigen Zeitpunkt, sodass die Spannung trotz der relativ frühen Aufklärung des Lesers über Lilys Geheimnis über alle elf Kapitel hinweg bis zum Ende erhalten bleibt. Der Krimi ist in der Ich-Perspektive geschrieben, d. h. von Lily erzählt und ausschließlich aus ihrer Sicht. Für die Geschichte genau die richtige Perspektive – und für die Spannung sowieso: Schließlich wird man als Leser ohne Umschweife direkt in die Handlung katapultiert und erfährt relativ früh, warum Lily nicht als Zeugin auftreten will. Dabei beschreibt die Protagonistin ihren Alltag (über den Zeitraum einer Woche) so kurzweilig, dass man kaum merkt, wie die Zeit vergeht. Ehe man sich versieht, ist das Buch zu Ende und man findet es unglaublich schade. Ihre Tätigkeit als Putzfrau beschreibt sie mit Liebe und Hingabe; und sämtliche Auftraggeber werden durch köstliche Anekdoten charakterisiert. Man erhält den Eindruck, dass alle Charaktere dieses Buches, sowohl Haupt- als auch Nebendarsteller, sorgfältig von der Autorin ausgearbeitet wurden. Charlaine Harris benutzt eine flüssige Sprache, mit jedem Satz taucht man tiefer in die Geschichte hinein und ehe man sich versieht, kann man ihrem Sog nicht mehr widerstehen. Eine größere Rückblende, die Lilys Geheimnis darbietet, ist an der richtigen Stelle und stilistisch sehr schön eingebunden. Harris benutzt des Weiteren Vorausdeutungen (vermutlich um die Spannung zu steigern oder zu halten), allerdings auch einige Beschreibungen und Formulierungen, die ein Ich-Erzähler eigentlich gar nicht wissen kann. Abgesehen von diesem kleinen Manko verwendet sie eine sehr lebendige und bildhafte Ausdrucksweise, die es dem Leser unglaublich erleichtert, sich in das Buch und die Hauptdarstellerin zu verlieben! Insgesamt gesehen ist es ein sehr menschliches Buch. Die Protoganistin ist keine Heldin, sondern eine Frau mit Vorzügen und Fehlern, die mal vernünftig und mal unvernünftig ist, die sowohl zurückstecken bzw. Prügel beziehen muss als auch selbst austeilen kann. Obwohl es als „Krimi“ ausgezeichnet ist, wurde in mir der Eindruck erweckt, dass der Mord am Vermieter teilweise in den Hintergrund gerät und Lilys Liebesbeziehung zum Karate-Trainer oder ihr (aufregender) Alltag nicht minder wichtig sind. Kleine humorvolle Einlagen runden die Geschichte ab. Ich finde es eine gute Idee, als Protogonistin eine Putzfrau auftreten zu lassen; nicht allein, weil dies schon ungewöhnlich genug ist, sondern vor allem, weil sie so an die erforderlichen Informationen gelangt. Sie wird unfreiwillig Zeugin und muss nun zusehen, wie sie sich immer wieder aus dem Kreis der Verdächtigen katapultiert. Dabei ist sie gar keine echte „Hobby-Detektivin“. Es wimmelt von gelegentlichen falschen Spuren zwischen den vielen Hinweisen, aber am Ende ist die Lösung doch logisch. Das macht einen guten Kriminalroman aus!
Meine absolute Empfehlung! (sth, 12.02.2008)
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