Aktuelle Aktionen



Montag, 24. März 2008

Elizabeth George, „Mein ist die Rache“

28 Kapitel, 478 Seiten, Taschenbuch, broschiert (Sammelband: „Gott schütze dieses Haus“ und oben genannte Geschichte)
VerlagGoldmann Verlag, Juli 2007
ISBN978-3-442-46439-5
Original-TitelA Suitable Vengeance
Original-VerlagBantam Books, New York 1991
ÜbersetzerinMechthild Sandberg-Ciletti
gelesenvom 11.02.2008 bis 21.03.2008
Empfehlunggut (2)

Der adlige Inspector Thomas Lynley vom New Scotland Yard – oder auch Lord Asherton – und seine Verlobte, die Fotografin Deborah Cotter, planen einen Wochenende auf dem feudalen Wohnsitz der Ashertons, Howenstow in Cornwall. Ihre besten Freunde, den Wissenschaftler Simon St. James und Lady Helen Clyde, sowie Deborahs Vater nehmen sie mit. Auch Simons Schwester Sidney kommt mit ihrem Freund Justin Brooke. Lynleys drogenabhängiger Bruder Peter taucht mit seiner neuen Flamme Sasha ebenfalls auf. Damit sind bereits genügend Konflikte programmiert. Während Lynley allerlei Verpflichtungen nachkommen muss, wird im Nachbarort Nanrunnel Mick Cambrey ermordet und entmannt. Der Journalist ist gleichzeitig auch Ehemann von Nancy, der Tochter von Howenstow-Verwalter John Penellin.
Für die Polizei ist schnell klar, dass Penellin seinen Schwiegersohn umgebracht hat. Lynley muss Nancy versprechen, den wahren Täter zu finden. Dabei helfen ihm selbstverständlich St. James, Helen und Deborah. Micks Vater Harry Cambrey findet in seiner Redaktion Hinweise auf eine große Story, die der Grund für Micks Ermordung sein könnte. Doch wie viel ist dran an der großen Drogenschmuggel-Geschichte? Drogen spielen jedenfalls erst mal in einem anderen Zusammenhang eine Rolle: Justin Brooke greift wütend Sidney St. James an, weil sie seine Drogen wegwirft. Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse: Justin Brooke stirbt in einer stürmischen Nacht, Deborahs Fotoausrüstung verschwindet, ebenso verschwinden Peter Lynley mit Sasha sowie Sidney St. James. Schließlich und endlich lassen sich Zusammenhänge erkennen zwischen Deborahs ebenso verschwundener Nachbarin Tina Cogin, Mick Cambrey, Justin Brooke und Dr. Roderick Trenarrow, der Freund von Lynleys Mutter. Es kommt schließlich zum großen Showdown und alle Fragen werden geklärt, doch nicht alles geht gut aus …

Die Geschichte ist vom Aufbau her ein typisch englischer Kriminalroman. Elizabeth George fängt zunächst die Stimmung ein und beschreibt etliche rätselhafte Ereignisse. Der Tote wird erst auf Seite 132, also etwa nach einem Viertel der Geschichte, gefunden; doch die Spannung wird natürlich von Anfang bis Ende gehalten. Dies mag auch an den vielen kleinen Nebenhandlungen liegen, die das Buch so außerordentlich interessant und vielseitig gestalten – und die obige Zusammenfassung des Inhalts doch sehr erschwert haben. George hat ihren Krimi so genial konstruiert und aufgebaut, dass eine Zusammenfassung des Inhalts, bei der natürlich so wenig wie möglich verraten werden soll, zu einer großen Herausforderung wird.
Susan Elizabeth George verwendet eine lebendige, bildreiche Sprache mit vielen Beschreibungen und treffenden Vergleichen. Leider sind ihre Sätze teils etwas schwierig aufgebaut. Auch hatte ich manchmal das Gefühl, dass einzelne Sätze furchtbar schlecht übersetzt wurden. Im Großen und Ganzen liest es sich jedoch recht flüssig. (Etwas merkwürdig ist auch, dass manche Kapitel eine Überschrift haben und andere nicht.)
Die Geschichte wird oft persönlich – durch die vielen privaten Verstrickungen der Hauptcharaktere: das gestörte Verhältnis zwischen Thomas und Peter Lynley, der Riss in Deborahs und Simons Beziehung vor ihrem Amerika-Aufenthalt (nach dem sie sich mit Lynley verlobt), Lynleys Hass auf Dr. Trenarrow etc. pp. — Seit Beginn wird die Geschichte aus persönlicher Sicht der Hauptcharaktere erzählt. Die polizeilichen Ermittlungen stehen nicht wirklich im Vordergrund.
Aber vielleicht auch gerade dadurch erhält das Buch seinen besonderen Reiz und die nicht abreißende Spannung. Mehrmals finden Wenden statt, die alle bisher gesammelten Fakten in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Eine kleine Problematik ergibt sich aus den Veröffentlichungszeiträumen der einzelnen Romane der Thomas-Lynley-Reihe: „Mein ist die Rache“ ist nicht Georges erster Lynley-Roman, aber im Handlungsstrang der Lynley-Welt der bisher früheste Roman. Daher habe ich mich dafür entschieden, mit diesem Roman zu beginnen. Dennoch kann es sein, dass man die vorher erschienenen Romane hätte lesen müssen, um einige Andeutungen zu verstehen, die man sonst nicht mitbekommt.

Insgesamt kann ich nur sagen, dass man die Art und Weise, wie George ihre Krimis aufbaut, und ihren Schreibstil mögen muss, aber die Vielzahl ihrer verkauften Bücher spricht dafür, dass viele Leser meiner Meinung sind: Elizabeth George schreibt einfach genial! Und so freue ich mich schon auf den nächsten Krimi mit Thomas Lynley und Konsorten! (sth, 24.03.2008)

Keine Kommentare: