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Donnerstag, 30. September 2010

Heather Graham, „Mörderspiel“

20 Kapitel, 380 Seiten, Taschenbuch
VerlagVerlagsgruppe Weltbild GmbH, 2008
ISBN978-3-89941-524-7
Original-TitelNever Sleep With Strangers
Original-VerlagMira Books, Toronto 1998
ÜbersetzerinMargret Krätzig
gelesenvom 11.09.2010 bis 19.09.2010
Empfehlungsehr gut (1-)

Jon Stuart lädt wieder einmal zu seiner beliebten Krimi-Rätselwoche auf sein schottisches Schloss ein, obwohl beim letzten Mal seine Frau Cassie gestorben ist. Wenngleich sich das Gerücht hartnäckig hält, er sei daran nicht ganz unschuldig, kommen alle eingeladenen Krimi-Autoren gerne zur „Mystery Week“. Neu dabei ist diesmal lediglich Sabrina, die vor Jahren eine Affäre mit Jon hatte. Neben der Krimi-Woche und der Liebe treibt alle jedoch immer mehr die Frage an, wer damals Cassie Stuart ermordet hat. Und tatsächlich geschehen schon bald Dinge, die nicht mehr zum Spiel gehören: echte Patronen tauchen auf, Gäste werden eingeschlossen und verschwinden. Es dauert nicht lange, bis jeder jeden verdächtigt. Als sie durch einen Schneesturm vom Rest der Welt abgeschnitten werden, eskaliert die Situation und das Böse kommt zum Vorschein.

Heather Graham setzt eine interessante Idee sehr klug um: Sie verknüpft den klassischen englischen Krimi mit einer bezaubernden schottischen Kulisse zu einem Mix aus Thriller und Liebesgeschichte.

Die Umsetzung gefällt mir zum größten Teil, lediglich die Vielzahl an teilnehmenden Personen verwirrt am Anfang – zusätzlich begünstigt durch das Mörder-Spiel, bei dem jeder Person eine Rolle zugewiesen wird, wodurch sich die Personenzahl unweigerlich verdoppelt. Für die Geschichte ist es aber ein Muss, sodass man darüber hinweg sehen muss. Und bald schon zeigt sich auch, dass das Mörder-Spiel in den Hintergrund gerät und durch die Unverwechselbarkeit jedes einzelnen Charakters kann man als Leser schon bald die Personen recht gut auseinander halten.

Das nächste Manko, das dringend angemerkt werden muss: Das Mörder-Spiel selbst, obwohl durch den Titel irreführenderweise für wichtig gehalten, scheint nur eine untergeordnete Rolle zu spielen, lediglich als Mittel zum Zweck. Denn anders lässt es sich nicht erklären, dass ärgerlicherweise auf die Auflösung gänzlich verzichtet wurde. Diese Neugier des Lesers wird nicht befriedigt.

Nicht so berauschend ist auch, dass sich Heather Graham an Mustern entlang hangelt. Ein schottisches Schloss als Kulisse ist im Zusammenhang mit dem Schneesturm ein Klassiker für jedes Katz- und Mausspiel. Kann man alte Muster nicht mal mit einer neuen Idee durchbrechen?

Die Spannung wird jedoch durchweg gehalten, entweder durch das echte Mörder-Spiel oder die sich anbahnende Liebesgeschichte. Am Ende fast jeden Kapitels werden wieder neue Fragen aufgeworfen, die durch Weiterlesen unbedingt geklärt sein wollen. Bravo, so muss es sein!

Die Mischung mit der Liebesgeschichte versüßt den Krimi, lockert ihn auf. So hat man Spannung und Herzschmerz – geschickt, da gleich mehrere Leser-Zielgruppen angesprochen werden.

Der Erzählstil ist flüssig, als personaler Er-Erzähler, zumeist aus der Sicht der „Neuen“, Sabrina. Dies finde ich geschickt, da sie das erste Mal bei der Krimi-Woche dabei ist und so die Geschehnisse und Geheimnisse der letzten Veranstaltung nicht kennen kann. Die Neugier, die sie treibt, treibt somit auch den Leser an, der ja eigentlich das Gleiche wissen will: Hat Jon damals seine Frau umgebracht? Liebt er Sabrina (noch)? Und natürlich: Wer ist der Mörder? (Ist ja schließlich ein Mörder-Spiel …)

Die Übersetzerin hat meines Erachtens zu 99% gute Arbeit abgeliefert.

Fazit also: Dieses Buch hat mir ein paar vergnügliche Lesestunden in meinem Urlaub bereitet und kann ich jedem nur empfehlen! (sth, 30.09.2010)

Freitag, 10. September 2010

Henning Mankell, „Mittsommermord“

36 Kapitel, 608 Seiten, gebundene Ausgabe
VerlagVerlagsgruppe Weltbild GmbH, 2008
ISBN978-3-8289-9340-2
Original-TitelSteget efter
Original-VerlagOrdfront Verlag, Stockholm 1997
ÜbersetzerWolfgang Butt
gelesenvom 16.07.2010 bis 08.09.2010
Empfehlunggut (2-)

Drei Jugendliche feiern verkleidet Mittsommer. Wenig später sind sie tot, werden aber erst Wochen später gefunden. Fast zur gleichen Zeit wird Wallanders langjähriger Kollege Svedberg mit zerschossenem Gesicht aufgefunden. Fragen über Fragen tauchen auf. Nach und nach kommen Details aus Svedbergs Leben ans Tageslicht, die die den Kollegen in ein ganz neues Licht rücken. Warum war er von Anfang an überzeugt, dass den verschwundenen Jugendlichen etwas zugestoßen war? Warum hat er seinen Urlaub geopfert, um heimlich zu ermitteln? Wer ist die geheimnisvolle Louise, die plötzlich in den Ermittlungen auftaucht?
Als eine weitere Leiche auftaucht, wird allen klar: Sie haben es mit einem der brutalsten Serienmörder in der Geschichte Schwedens zu tun. Verzweifelt stürzen sich alle in die Ermittlungen, die nach langer Arbeit zum Stellen des Mörders führen.

Dieses Buch ist ein typischer Schweden-Krimi: beschaulich-langsam, ohne nennenswerte Action, düster-finstere Blickweise. Daran muss man sich gewöhnen. Der Anfang zog sich in die Länge und damit war ich gar nicht glücklich. Schließlich aber gelang es Mankell doch noch, das Interesse zu wecken.

Die Geschichte ist nicht schlecht ausgedacht: Psychologisch fein durchdacht wird die Ermittlungsarbeit sehr akribisch dargelegt. Polizeiarbeit von der Pike auf. Mal was ganz anderes für mich.

Die Erzählung aus Polizeisicht, die sich nur wenig mit Wallanders Privatleben vermischt, wird durch kurze Einschübe aus der Sicht des Serienmörders unterbrochen. Zunächst ist wenig klar, aber gegen Ende lösen sich alle Fäden auf. Spannend geschrieben, gut übersetzt, nur der Anfang ist etwas holprig. Dafür kann man am Ende gar nicht mehr zu lesen aufhören, bis man das Buch zufrieden aus der Hand legen kann. Der Showdown, bei dem der Mörder und Wallander sich gegenseitig jagen, ist ein bisschen zu klischeehaft, zu erzwungen, zu unnatürlich. Da er jedoch kurz gehalten wurde, ist das nicht dramatisch.

Fazit also: Ungewöhnlich, wenn man allzu viele Thriller und englische Krimis vorher gelesen hat! Für einen Schweden-Krimi aber ungewöhnlich gut gemacht! (sth, 10.09.2010)