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Dienstag, 4. November 2008

Rita Mae Brown, „Maus im Aus“

53 Kapitel, 334 Seiten, Taschenbuch, broschiert
VerlagUllstein Buchverlage GmbH, Berlin 2004
ISBN978-3-548-26247-5
Original-TitelThe Tail of the Tip-Off
Original-VerlagBantam Books, New York 2003
ÜbersetzerinMargarete Längsfeld
gelesenvom 08.10.2008 bis 04.11.2008
Empfehlungsehr gut (1+)

Mary Minor „Harry“ Haristeen und ihre Freunde aus Crozet, Virginia, genießen die Basketballspiele der UVA-Frauenmannschaft. Bis zu jenem verhängnisvollen Spiel, als der Bauunternehmer H. H. Donaldson, der kurz zuvor seine Frau und seiner Tochter verlassen hatte, auf dem Parkplatz tot zusammenbricht. Der zunächst angenommene Herzinfarkt entpuppt sich schnell als Mord, auch wenn weder Tatwaffe noch die genauen Umstände bekannt sind. Auch das Gift, an dem er starb, lässt sich lange Zeit nicht herausfinden. Lediglich eine kleine Wunde am Hals weckt das Interesse von Sheriff Rick Shaw und Deputy Cynthia Cooper. Harry und ihre klugen Haustiere beginnen daraufhin, auf eigene Faust zu ermitteln. Harry nimmt es persönlich, weil sie bei den Basketballspielen unmittelbar hinter H. H. gesessen hatte. Kurz darauf wird einem UVA-Schiedsrichter eins über den Schädel gehauen und eine Bauinspektorin findet grausam den Tod. Lange Zeit scheint H. H.s Witwe die Täterin zu sein, bis Harry und ihre Tiere, die Katzen Mrs. Murphy und Pewter sowie die Corgi-Hündin Tucker, herausfinden, wie H. H. Donaldson umgebracht wurde. Daraufhin lockt Harry den mutmaßlichen Täter in eine Falle, doch über das wahre Ausmaß der Verbrechen hat sie keine Ahnung, weshalb sie wieder einmal um ihr Leben bangen muss. Unerwartete Hilfe erhält sie dabei von der ihr verhassten BoomBoom – und so können sie schließlich doch noch unversehrt das Rätsel lösen.

Rita Mae Brown schreibt wie immer genial und sehr detailliert. Man bemerkt als Leser sofort ihre Liebe zum Detail. Sie macht dieses Mal auf besonders viele Nebenhandlungen aufmerksam, z. B. die neuen Teppiche im Pfarrhaus, der Materialdiebstahl im Basketballstadion, die Predigterstellung von Pfarrer Herb oder auch der einer Architektin zugelaufene Hund.

Brown schreibt wie immer sehr kurzweilig und anschaulich. Sie gibt kluge Ratschläge, bedient sich intelligenter Vergleiche und lässt ihre Leser an ihrer Lebensweisheit teilhaben. Zum Beispiel regt folgender Dialog (Seite 44) ja durchaus zum Nachdenken an:

»Es ist komisch, nicht?«
»Das Leben?«
»Ja.«

Die Übersetzerin hat gute Arbeit geleistet – wenn man mal großzügig vom Buchtitel absieht.

Insgesamt macht es mir wieder mächtig Spaß, das Neueste aus Crozet und die Erkenntnisse von Mrs Murphy, Pewter, Tucker und ihrem Frauchen und den anderen Menschen zu lesen. Wie alle Brown-Bücher meine absolute Empfehlung! (sth, 04.11.2008)

Dienstag, 7. Oktober 2008

Donna Leon, „Venezianisches Finale“

25 Kapitel, 239 Seiten, Hardcover, gebunden
VerlagSüddeutsche Zeitung GmbH, München 2006
ISBN978-3-86615-257-1
Original-TitelDeath at La Fenice
ÜbersetzerinMonika Elwenspoek
gelesenvom 01.09.2008 bis 06.10.2008
Empfehlungsehr gut (1)

Der deutsche Stardirigent Helmut Wellauer wird in der zweiten Pause der Aufführung von Verdis Oper „La Traviata“ tot in seiner Garderobe aufgefunden. Commissario Brunetti findet schnell heraus, dass der Kaffee vergiftet war und dass der als Musiker so geschätzte Wellauer als Mensch umso verhasster war. Brunetti spricht mit der Witwe, den Kollegen, darunter die berühmte Signora Flavia Petrelli mit ihrer ständigen Begleiterin Brett Lynch, sowie alten Freunden und Bekannten. Ganz allmählich bekommt Brunetti ein Bild von dem Mann, stetig sammelt er neue Fakten und Geschichten. Er lässt sich von seinem Vorgesetzten nicht unter Druck setzen und geht ganz seiner eigenen Intuition nach. Und so kann er schlussendlich das verzwickte Rätsel auch lösen.

Donna Leon benutzt für ihre Charakterisierungen selten Adjektive, sondern oftmals lässt sie die Charaktere sich selbst beschreiben, indem sie zeigt, wie sie sind, anstatt zu schreiben, wie sie sind.

Man erfährt als Leser unheimlich viel über den Protagonisten, Brunetti, weil man ihn ständig begleitet und die Fortschritte, die er als Ermittler macht, mitverfolgen kann. Aber auch über sein Privat- und Innenleben erfährt man viel, weil Donna Leon oft auch Brunettis Gedanken einfließen lässt. So denkt er viel über alle möglichen Details nach, oder auch, wie er seine Befragungen durchführen soll. Er beweist damit viel Einfühlungsvermögen.

Mir gefällt das Buch ausnehmend gut, auch weil man Donna Leon anmerkt, wie sehr sie die Stadt Venedig liebt. Außerdem fördern die abwechselnden Passagen von Landschaftsbeschreibungen und Befragungen/Dialogen den Lesefluss. Logisch führt eine Aktion zur nächsten, nichts, was beschrieben wird, wirkt aufgezwungen oder dem Zufall überlassen. Herrlich! So soll es sein.

Die Übersetzung ist im Allgemeinen auch gut, lediglich an wenigen Stellen habe ich das Gefühl, dass die Übersetzung nicht richtig sein kann. Vermutlich hat Donna Leon eine Lieblingsformulierung. Auf jeder gefühlten zehnten Seite steht so etwas wie „Wenn [bzw.] falls [dies oder jenes geschehen oder nicht geschehen ist], so ließ er/sie es sich nicht anmerken“. Ich glaube nicht, dass dies als Humoreinlage beabsichtigt ist, von daher wirkt die Häufung regelrecht lächerlich. Deshalb der Punktabzug und keine 1+ mit Sternchen ;-)

Meine Lieblingsautorin, Rita Mae Brown, sagte über dieses Buch: „Ein mitreißendes Debut: betörend und ein bisschen unheimlich wie Venedig selbst. Glänzend und unwiderstehlich.“ Die Geheimnisse, Geschichten und Anekdoten rund um den Stardirigenten fördern diese Atmosphäre natürlich – und so kann mein Fazit nur lauten: Ein rundum gelungenes Buch. Bitte noch viel mehr davon! (sth, 07.10.2008)

Sonntag, 31. August 2008

Peter Kröning, „Auch Genies können irren …“

20 Kapitel, 334 Seiten, gebundene Ausgabe
VerlagLangen/Müller, 2003
ISBN978-3-7844-2902-5
gelesenvom 15.07.2008 bis 29.08.2008
Empfehlunggut (2)

Der Autor Peter Kröning, studierter Chemiker, zeigt in seinem Buch in zwanzig Kapiteln je eines der größten wissenschaftlichen Irrtümer der Menschheit auf. So handelt ein Kapitel von den Alchemisten, die nach wie vor daran glauben, dass aus beliebigen Materialien Gold hergestellt werden könne, was chemisch betrachtet gar nicht funktionieren kann. Andere Wissenschaftler glauben fest daran, dass die Erde innen hohl sei – und jeder Fakt, der gegen die Theorie spricht, wird wie üblich so interpretiert, dass die Theorie wieder passt. Ein weiteres Kapitel erklärt hingegen, dass die heute allgemein anerkannte Evolutionstheorie Charles Darwins mit vielen Fakten aus der Biologie nicht in Einklang zu bringen ist. Auch die Urknall-Theorie besitzt eklatante Schwächen und die Theorie, dass der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid den Treibhauseffekt verursacht, ist ebenso zweifelhaft. Weitere Irrtümer sind der Glaube, dass Tierversuche nötig seien, um Medikamente für Menschen zu finden und herzustellen, und der ehemalige Glaube, die Bakterien besiegt zu haben. Folgen hieraus sind eine schreckliche Tierquälerei und eine Züchtung von widerstandsfähigen Bakterien. Kurzum: Peter Kröning zeigt in seinem Buch auf, wie Wissenschaftler oft über mehrere Jahre an den größten Blödsinn glauben, dafür aber diejenigen, die eine – vielleicht unbequeme – Wahrheit entdecken, einen Lügner schimpfen.

Das Buch, das als Untertitel „Glücksfälle und Fehlurteile der Wissenschaft“ trägt, ist ein so genanntes populärwissenschaftliches Sachbuch. Das heißt nichts anderes, als dass den Lesern wissenschaftliche Zusammenhänge und Tatsachen in einer sehr lockeren, unwissenschaftlichen Sprache, also quasi im Plauderton, beigebracht werden. Jedem, der das hier liest, muss klar sein, dass es sich hierbei nicht um ein Lesebuch oder -roman im herkömmlichen Sinn handelt. Das Buch ist ein Sachbuch, kein wissenschaftlicher Roman – und damit hat es keine durchgehende Haupthandlung etc.

Voraussetzung dafür, dass man am Lesen dieses Buch Spaß hat, ist meiner Meinung nach auch ein allgemeines Interesse und Spaß an Naturwissenschaften. Grundkenntnisse der Naturwissenschaften, hauptsächlich Chemie und Biologie, aber auch Physik, sind sehr vorteilhaft und erleichtern das Verständnis und somit das Lesen. Denn es tauchen hin und wieder Fachbegriffe wie Atomgewicht, die nicht alle im Glossar erklärt werden, oder chemische Formeln (H2O sollte jeder als chemische Formel für Wasser kennen) auf.

Zum Teil geht das Buch sehr in wissenschaftliche Details, beispielsweise bei der Erklärung der DNS-Struktur. Insgesamt gesehen ist es ein sehr anspruchsvolles Buch, das ich nicht als Bettlektüre oder zur Zerstreuung empfehlen würde.

Peter Kröning zeigt in seinem Buch auch immer wieder das Nichtwissen der Menschheit und die Grenzen der Naturwissenschaften auf. Bei tiefer gehender Betrachtung kann dies zu einer ernüchternden Erkenntnis führen.

Nichtsdestotrotz habe ich das Buch mit Spannung und naturwissenschaftlicher Hingabe gelesen. Die erstaunlichen Anekdoten runden das Buch, dass mit einigen Irrtümern und Irrglauben kräftig aufräumen möchte, auf originelle Weise ab. Auch wird den meisten erst nach der Lektüre dieses Buches klar sein, wie anstrengend eine wissenschaftliche Karriere und mit welchem Aufwand eine einzige Entdeckung verbunden sein kann. Summa summarum ist dieses Buch also für den Hobby-Wissenschaftler und interessierten Leser durchaus zu empfehlen, alle anderen würde ich jedoch zumindest vom Kauf dieses imposanten Buches abraten. (sth, 31.08.2008)

Montag, 14. Juli 2008

Rita Mae Brown, „Die Katze lässt das Mausen nicht“

53 Kapitel, 304 Seiten, Taschenbuch, broschiert
VerlagUllstein Buchverlage GmbH, Berlin 2004
ISBN978-3-548-25893-5
Original-TitelCatch as Cat can
Original-VerlagBantam Books, New York 2002
ÜbersetzerinMargarete Längsfeld
gelesenvom 11.06.2008 bis 14.07.2008
Empfehlungsehr gut (1+)

Mysteriöses geht vor in der sonst so idyllischen Kleinstadt Crozet, Virginia. Zunächst werden die Radkappen von Miranda Hogendobbers Ford Falcon gestohlen, dann stirbt bei einem Fest ein junger Mechaniker. Kurz darauf wird der Radkappen-Dieb enttarnt, der nicht aus Crozet stammt und der zudem einen falschen Namen angegeben hat, wie Sheriff Rick Shaw und Deputy Cynthia Cooper herausfinden, als der Dieb erhängt aufgefunden wird. Als eine dritte Leiche zur Entdeckung einer halben Million Dollar führt, suchen alle fieberhaft nach einer Erklärung und vermuten Drogen im Spiel — allen voran wie immer die Hobby-Detektivin Mary Minor „Harry“ Haristeen, ihres Zeichens Posthalterin von Crozet und stolze Besitzerin der ebenso detektivisch tätigen Haustiere Mrs Murphy, Pewter und Tucker. Haben die beiden Diplomaten-Besucher aus Uruguay vielleicht etwas damit zu tun? Harry hofft es nicht, schließlich wird sie von Diego sehr umschwärmt, was ihrem Ex-Mann Fair sehr missfällt, da er selbst noch starke Gefühle für sie empfindet. Am Ende kommt es wie immer zum großen Showdown und Harry und die Polizei können alle Angelegenheiten restlos aufklären.

Rita Mae Brown schreibt wie immer genial und sehr detailliert. Man merkt als Leser sofort ihre Liebe zur Natur, speziell zur Gegend um Crozet, Virginia. So schreibt sie besonders in diesem Roman viel über die Hartriegel-Blüten und den dazu gebräuchlichen Festen und anderen Bräuchen, etwa Waschbärjagd, Hartriegelfest und Abbruchball.

Die Spannung steigt mit jedem Kapitel über scheinbar belanglose Dinge wie ein toter Helmspecht oder die gestohlenen Radkappen. Brown schreibt somit sehr kurzweilig und immer wieder sehr anschaulich. Sie gibt kluge Ratschläge und bedient sich intelligenter Vergleiche. Eigentlich gilt das selbe, was ich bereits für das Buch „Mord auf Rezept“ festgestellt habe (s. Rita Mae Brown, „Mord auf Rezept“).

Die Geschichte ist auch dieses Mal gut übersetzt; außer vielleicht der Buchtitel. Dieser will mir nicht so recht verraten, was er mit dem Inhalt zu tun haben soll.

Insgesamt macht es mir wieder mächtig Spaß, das Neueste aus Crozet und die Erkenntnisse von Mrs Murphy, Pewter, Tucker und ihrem Frauchen und den anderen Menschen zu lesen. Erneut meine absolute Empfehlung! (sth, 14.07.2008)

Mittwoch, 11. Juni 2008

Jan Weiler, „Maria, ihm schmeckt’s nicht“

13 Kapitel, 276 Seiten, Taschenbuch, broschiert/kartoniert
VerlagUllstein Buchverlage, 2004
ISBN978-3-548-26426-4
gelesenvom 19.05.2008 bis 10.06.2008
Empfehlungmangelhaft (5+)

Jan Weiler beschreibt in seinem Buch die ersten und viele weitere Begegnungen mit seinem (künftigen) Schwiegervater Antonio, der ihm seine eigene Welt in vielen Anekdoten erklärt. Zentraler Dreh- und Angelpunkt ist Italien, Antonios Heimat, in welches viele gemeinsame Reisen führen.

Leider kann ich dieses Buch überhaupt nicht empfehlen. Jan Weiler schreibt zwar nicht schlecht, sehr flüssige, locker leichte Sprache, jedoch kann er mich nicht vom Unterhaltungswert seines Werks überzeugen.

Die „Geschichten von [seiner] italienischen Sippe“ (Untertitel) fangen zwar gut an, doch lassen nach einem langatmigen Mittelteil leider einen schwachen Abgang folgen.

Während die italienische Ausdrucksweise und Aussprache am Anfang noch amüsiert, stumpft der Effekt nach den Anfangskapiteln erheblich ab. Auch folgen immer wieder ähnliche Dialoge, immer wieder die gleichen Witze und Situationen, sodass das Buch irgendwann nicht mehr amüsiert, sondern nervt. Hinzu kommen scheinbar unzählige Reisen nach Italien. Kommt Jan Weiler in Kapitel x gerade aus Italien zurück und schwört, niemals wieder dort hin zu fahren, so fährt er bereits in Kapitel y wieder dort hin. Eine Reise folgt der nächsten – eine Erzählweise ohne erkennbare Zusammenhänge. Manche Kapitel folgen zeitlich direkt aufeinander, andere haben Wochen oder Monate dazwischen.

Den größten Teil des Buch nimmt Antonios Lebensgeschichte ein, angefangen mit seiner Kindheit über seine Jugend bis hin zu seinem Leben im Hier und Jetzt. Leider sind die Ausflüge in die Vergangenheit weder besonders interessant noch witzig, insgesamt also kaum unterhaltsam!

Axel Hacke schrieb zu diesem Buch: „Wer noch keine italienischen Verwandten hat, wird nach der Lektüre unbedingt welche haben wollen.“ Dazu kann ich nur sagen: Nach der Lektüre will ich definitiv keine mehr haben!
Der Stern schrieb: „Ein unverzichtbarer Beitrag zur deutsch-italienischen Freundschaft. Und saukomisch.“ Unverzichtbar ist das Buch keinesfalls, obwohl es schon zur deutsch-italienischen Freundschaft beitragen könnte, da man als Leser viel über die Italiener erfährt und ihnen so doch etwas näher kommt. Saukomisch finde ich das Buch allerdings nicht, stellenweise ist es ganz amüsant.
Der Spiegel schrieb: „Jan Weiler spielt gewitzt mit Sprach- und Nationenstereotypen.“ Er bedient sich dieser Stereotypen, aber unter einer gewitzten Spielerei verstehe ich etwas ganz anderes.

Summa summarum lautet mein Urteil: Man muss das Buch nicht gelesen haben, ich kann aber auch nicht komplett davon abraten, da es ja Ihren Geschmack treffen könnte. (sth, 11.06.2008)