Aktuelle Aktionen



Dienstag, 9. Dezember 2008

Erwin Barth von Wehrenalp, „Man sollte es nicht für möglich halten“

27 Kapitel, 256 Seiten, Taschenbuch
VerlagEcon, 1988
ISBN978-3-43019-545-4
gelesenvom 24.11.2008 bis 09.12.2008
Empfehlungmangelhaft (5)

In vielen einzelnen Kapiteln wurden hier Anekdoten und Geschichten niedergeschrieben, die laut Untertitel »Unglaubliches aus der Weltgeschichte« erzählen sollen.

Hinweis: Da mir das Buch nicht gefallen hat, fällt die folgende Kritik sehr negativ aus. Dies ist jedoch lediglich meine Meinung und mag von anderen Lesern ganz und gar nicht geteilt werden!

Einige Kapitel sind tatsächlich ganz interessant und unterhaltsam, etwa über die Gemeinsamkeiten der Ermordungen Abraham Lincolns und John F. Kennedys, über das glücklichste Volk der Welt oder über die erstaunlichen Voraussagen der Jeane Dixon.

Andere Kapitel langweilen den Leser jedoch mit seitenlangen Aufzählungen. Sechs Seiten darüber, in welchen Ländern wann wie viele Menschen starben. Wozu? Auf 80 (!) Seiten Texte darüber, welche Literatur welcher Schriftsteller eine viel zu geringe Akzeptanz zukam, welche Schriftsteller wie, wo und wann Veröffentlichungsschwierigkeiten hatten, welche Verleger, Schriftsteller und Zeitschriften sich mal einen Jux erlaubten und welche Bücher wann wo und warum der Zensur zum Opfer fielen. Leider wird nicht erwähnt, warum dieses Buch es doch auf den Büchermarkt geschafft hat. Wenn ich mir so eine langweilige Aufzählung von nüchternen Tatsachen mit Zahlen und Fakten wirklich antun wollte, würde ich das Telefonbuch lesen!!!

Einzelne Kapitel habe ich regelmäßig nicht zu Ende lesen können. Der Erzählstil ist einfach nur grausam. Staubtrockene Fakten in einer emotionslosen, humorlosen und begeisterungslosen Weise niedergeschrieben. Keine Anekdoten, die das Geschehen auflockern würden.

Oftmals ist ein Kapitel auch nur eine Zusammenfassung eines Buches, das der Autor wohl spannend gefunden haben muss.

Bei den Kapiteln über Voraussagen und Prophetie ist der Autor mehrere Male ganz aus dem Häuschen, was verschiedene Autoren richtigerweise über die Zukunft vorausgesagt haben. Mich verwundert das weniger. Wenn man einmal konsequent weiterdenkt in Richtung der heutigen Entwicklungen, so fällt es einem doch leicht, etwas zu schreiben, was dann auch tatsächlich an technischer Entwicklung einsetzt. Möglicherweise haben die Schreiberlinge mit ihren Zukunftsvisionen auch die tatsächliche Entwicklung beeinflusst, weil irgendein Techniker die im Buch genannten Autoren gelesen hat. Wer weiß …

Da mir einige Kapitel jedoch gefallen haben, war es wohl einfach die falsche Auswahl an Themen, die der Autor seinen Lesern vorgestellt hat. Das Buch war einfach nicht nach meinem Geschmack :-( Schade!

Ganz nüchtern betrachtet eignet sich das Buch jedenfalls nicht für einen gemütlichen Leseabend, da es weder in Romanform geschrieben noch ein populärwissenschaftliches Sachbuch ist.

Mein Fazit lautet daher leider: Man sollte es tatsächlich nicht für möglich halten, dass jemand für ein solches Buch ernsthaft Geld ausgibt! Es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass dieses Produkt bei Amazon schon für einen Euro-Cent auf den Markt geschleudert wird … (sth, 09.12.2008)

Sonntag, 23. November 2008

Jacques Berndorf, „Eifel-Blues“

13 Kapitel, 253 Seiten, Taschenbuch, broschiert
VerlagGRAFIT Verlag GmbH, Dortmund 1989
ISBN978-3-89425-442-1
gelesenvom 05.11.2008 bis 21.11.2008
Empfehlungbefriedigend (3-)

Der Journalist Siggi Baumeister wird von seinem Chef aus dem Urlaub zu einer Geschichte zitiert: 3 Tote in einem und um einen offenen Jeep, kurz vor einem Bundeswehrdepot, und ein mysteriöser Laster aus der DDR. Doch offenbar interessiert sich niemand für die Toten – aber nur, weil die Bundeswehr Akten verschwinden lässt und Beweise vernichtet. Oder war es vielleicht doch der BND, der Verfassungsschutz oder der MAD? Als Baumeister jedenfalls kaum mit seinen Recherchen begonnen hat, wird er schon von einem selbsternannten Bundeswehrbeschützer namens Messner krankenhausreif geprügelt. Das lässt sich Baumeister jedoch nicht gefallen und ermittelt weiter, befragt heimlich Freunde, Bekannte und Verwandte der Toten, damit die Bundeswehr/Messner nichts mitbekommt. Unterstützung erhält er von seinem Arzt Dr. Naumann, der Kollegin Elsa aus Hamburg, seinem Vermieter Alfred und später auch vom Kriminalrat Rodenstock. Gemeinsam gelingt es ihnen schließlich, Licht ins Dunkel zu bringen, aber nicht ohne ordentlich Dreck aufzuwirbeln und einiges an sprichwörtlich verbrannter Erde zu hinterlassen.

Im Großen und Ganzen ist es eine sehr brutale und verwirrende Geschichte, in die ich mich erst reinfinden musste.

Jacques Berndorf, Pseudonym des Journalisten Michael Preute, schreibt leider nicht so genial wie ein Grisham oder eine Elizabeth George. So finden sich auch leichte Logikfehler im Text. In einer Szene schaut Baumeister aus dem Fenster und beobachtet eine Katze. Dann befragt er eine Freundin des Toten. Und dann dreht er sich wieder zum Fenster um, obwohl nicht erwähnt wurde, dass er sich zuvor vom Fenster weggedreht hatte.

Die Geschichte selbst und der Umgang der Hauptperson mit den anderen Charakteren ist alles andere als liebevoll. Obwohl zwischen Elsa und Siggi ein gegenseitiges sexuelles Interesse angedeutet wird, geht Baumeister nicht zärtlich mit Elsa um. Der Hauptcharakter wirkt unverschämt, arrogant, besserwisserisch. Dadurch kann der Leser nicht wirklich Sympathie für den Protagonisten empfinden oder entwickeln. Auch wenn er verprügelt wird, was ja schon Mitleid erregt, weiß er alles besser und macht alles richtig. Er gibt jedem, auch wenn sie nicht unter seinem Befehl stehen, Anweisungen und alle anderen gehorchen, auch wenn sie nie verstehen, warum sie das nun tun sollen. Meines Erachtens hätte der Protagonist noch ein paar Fehler mehr machen und dann ein schlechtes Gewissen haben müssen, um wieder sympathisch zu erscheinen. Aber so erscheint mir die Hauptfigur eine Fehlkonstruktion zu sein.

Die Figur des Kriminalrats Rodenstock, der in den späteren Büchern eine viel stärkere Rolle spielen wird, ist ebenfalls sehr schwach gezeichnet. Er wird auf Schokolade, Kognak und Zigarren reduziert. Sehr schade und bedauerlich! In dieser Figur steckt schließlich so viel Potenzial … Berndorf verwendet kaum Merkmale einer Charakterisierung, was vielleicht daran liegt, dass er Journalist ist und kriminalliterarisches Schreiben nie erlernt hat.

So werden Personen generell nicht vorgestellt. Figuren, die der Protagonist kennt, sollte er zum Beispiel durch kleine Anekdoten charakterisieren. Die Geschichte wird nämlich von Baumeister in der Ich-Perspektive erzählt. Auch seine Gedanken und Handlungen erklärt er nicht. Der Leser wird lange Zeit im Dunkeln gelassen, was für die Spannung sehr gut ist, aber leider auf die falsche Erzählperspektive schließen lässt. Vielleicht wäre Berndorf mit einer anderen besser bedient gewesen. Auch ist mir der Sinn und die Bedeutung des Titels im Verhältnis zur Geschichte bis jetzt nicht klar geworden. Was soll das?

Der Spannungsaufbau hingegen ist fantastisch. Man ist von Anfang an direkt mitten in der Geschichte, hat kaum Zeit, sich zu erholen, weil dauernd etwas passiert. Die Lösung zum Schluss ist plausibel und doch ein wenig überraschend, wenn auch nur wenige Verdächtige präsentiert werden. Der Antagonist steht relativ früh fest und eigentlich geht es nur noch darum, die genauen Umstände und das Motiv herauszubekommen. Ein bisschen schade. Die Spionagegeschichte, die noch hineingestrickt wird, verkompliziert die gesamte Handlung künstlich noch mehr. Man verliert als Leser leicht den Überblick, bekommt Informationen nur bröckchenweise, während der Protagonist schon längst mehr weiß und es dem Leser nicht verrät (z. B. zu Beginn die Namen der Toten).

Insgesamt muss ich damit leider sagen, dass es kein Buch/Roman ist zum Vergöttern, von dem man sagen würde, man hat es gerne gelesen. Es ist keine schöne Geschichte, man liest nur weiter, weil man wissen will, wie es ausgeht.

Die einzelnen Kapitel sind sehr lang, nicht in Absätze/Szenen unterteilt. Das wirkt unstrukturiert.

So findet man sich als Leser manchmal ohne Vorwarnung von einem auf den nächsten Satz plötzlich in einem ganz anderen Umfeld wieder. Die Geschichte ist teilweise so schnell, dass ich das Gefühl hatte, der Autor kam manchmal mit dem Schreiben nicht nach! Wenn man der Geschichte glauben darf, ist das einzige, worin Berndorf sich wirklich gut auskennt, Pfeife rauchen …

Mein Fazit lautet also: Idee und Spannung sind sehr gut, aber die Umsetzung lässt zu wünschen übrig! Wer sich an schwachen Charakterisierungen und einer Überdosis Gewalt nicht stört, ist bei diesem Buch allerdings bestens aufgehoben! (sth, 23.11.2008)

Dienstag, 4. November 2008

Rita Mae Brown, „Maus im Aus“

53 Kapitel, 334 Seiten, Taschenbuch, broschiert
VerlagUllstein Buchverlage GmbH, Berlin 2004
ISBN978-3-548-26247-5
Original-TitelThe Tail of the Tip-Off
Original-VerlagBantam Books, New York 2003
ÜbersetzerinMargarete Längsfeld
gelesenvom 08.10.2008 bis 04.11.2008
Empfehlungsehr gut (1+)

Mary Minor „Harry“ Haristeen und ihre Freunde aus Crozet, Virginia, genießen die Basketballspiele der UVA-Frauenmannschaft. Bis zu jenem verhängnisvollen Spiel, als der Bauunternehmer H. H. Donaldson, der kurz zuvor seine Frau und seiner Tochter verlassen hatte, auf dem Parkplatz tot zusammenbricht. Der zunächst angenommene Herzinfarkt entpuppt sich schnell als Mord, auch wenn weder Tatwaffe noch die genauen Umstände bekannt sind. Auch das Gift, an dem er starb, lässt sich lange Zeit nicht herausfinden. Lediglich eine kleine Wunde am Hals weckt das Interesse von Sheriff Rick Shaw und Deputy Cynthia Cooper. Harry und ihre klugen Haustiere beginnen daraufhin, auf eigene Faust zu ermitteln. Harry nimmt es persönlich, weil sie bei den Basketballspielen unmittelbar hinter H. H. gesessen hatte. Kurz darauf wird einem UVA-Schiedsrichter eins über den Schädel gehauen und eine Bauinspektorin findet grausam den Tod. Lange Zeit scheint H. H.s Witwe die Täterin zu sein, bis Harry und ihre Tiere, die Katzen Mrs. Murphy und Pewter sowie die Corgi-Hündin Tucker, herausfinden, wie H. H. Donaldson umgebracht wurde. Daraufhin lockt Harry den mutmaßlichen Täter in eine Falle, doch über das wahre Ausmaß der Verbrechen hat sie keine Ahnung, weshalb sie wieder einmal um ihr Leben bangen muss. Unerwartete Hilfe erhält sie dabei von der ihr verhassten BoomBoom – und so können sie schließlich doch noch unversehrt das Rätsel lösen.

Rita Mae Brown schreibt wie immer genial und sehr detailliert. Man bemerkt als Leser sofort ihre Liebe zum Detail. Sie macht dieses Mal auf besonders viele Nebenhandlungen aufmerksam, z. B. die neuen Teppiche im Pfarrhaus, der Materialdiebstahl im Basketballstadion, die Predigterstellung von Pfarrer Herb oder auch der einer Architektin zugelaufene Hund.

Brown schreibt wie immer sehr kurzweilig und anschaulich. Sie gibt kluge Ratschläge, bedient sich intelligenter Vergleiche und lässt ihre Leser an ihrer Lebensweisheit teilhaben. Zum Beispiel regt folgender Dialog (Seite 44) ja durchaus zum Nachdenken an:

»Es ist komisch, nicht?«
»Das Leben?«
»Ja.«

Die Übersetzerin hat gute Arbeit geleistet – wenn man mal großzügig vom Buchtitel absieht.

Insgesamt macht es mir wieder mächtig Spaß, das Neueste aus Crozet und die Erkenntnisse von Mrs Murphy, Pewter, Tucker und ihrem Frauchen und den anderen Menschen zu lesen. Wie alle Brown-Bücher meine absolute Empfehlung! (sth, 04.11.2008)

Dienstag, 7. Oktober 2008

Donna Leon, „Venezianisches Finale“

25 Kapitel, 239 Seiten, Hardcover, gebunden
VerlagSüddeutsche Zeitung GmbH, München 2006
ISBN978-3-86615-257-1
Original-TitelDeath at La Fenice
ÜbersetzerinMonika Elwenspoek
gelesenvom 01.09.2008 bis 06.10.2008
Empfehlungsehr gut (1)

Der deutsche Stardirigent Helmut Wellauer wird in der zweiten Pause der Aufführung von Verdis Oper „La Traviata“ tot in seiner Garderobe aufgefunden. Commissario Brunetti findet schnell heraus, dass der Kaffee vergiftet war und dass der als Musiker so geschätzte Wellauer als Mensch umso verhasster war. Brunetti spricht mit der Witwe, den Kollegen, darunter die berühmte Signora Flavia Petrelli mit ihrer ständigen Begleiterin Brett Lynch, sowie alten Freunden und Bekannten. Ganz allmählich bekommt Brunetti ein Bild von dem Mann, stetig sammelt er neue Fakten und Geschichten. Er lässt sich von seinem Vorgesetzten nicht unter Druck setzen und geht ganz seiner eigenen Intuition nach. Und so kann er schlussendlich das verzwickte Rätsel auch lösen.

Donna Leon benutzt für ihre Charakterisierungen selten Adjektive, sondern oftmals lässt sie die Charaktere sich selbst beschreiben, indem sie zeigt, wie sie sind, anstatt zu schreiben, wie sie sind.

Man erfährt als Leser unheimlich viel über den Protagonisten, Brunetti, weil man ihn ständig begleitet und die Fortschritte, die er als Ermittler macht, mitverfolgen kann. Aber auch über sein Privat- und Innenleben erfährt man viel, weil Donna Leon oft auch Brunettis Gedanken einfließen lässt. So denkt er viel über alle möglichen Details nach, oder auch, wie er seine Befragungen durchführen soll. Er beweist damit viel Einfühlungsvermögen.

Mir gefällt das Buch ausnehmend gut, auch weil man Donna Leon anmerkt, wie sehr sie die Stadt Venedig liebt. Außerdem fördern die abwechselnden Passagen von Landschaftsbeschreibungen und Befragungen/Dialogen den Lesefluss. Logisch führt eine Aktion zur nächsten, nichts, was beschrieben wird, wirkt aufgezwungen oder dem Zufall überlassen. Herrlich! So soll es sein.

Die Übersetzung ist im Allgemeinen auch gut, lediglich an wenigen Stellen habe ich das Gefühl, dass die Übersetzung nicht richtig sein kann. Vermutlich hat Donna Leon eine Lieblingsformulierung. Auf jeder gefühlten zehnten Seite steht so etwas wie „Wenn [bzw.] falls [dies oder jenes geschehen oder nicht geschehen ist], so ließ er/sie es sich nicht anmerken“. Ich glaube nicht, dass dies als Humoreinlage beabsichtigt ist, von daher wirkt die Häufung regelrecht lächerlich. Deshalb der Punktabzug und keine 1+ mit Sternchen ;-)

Meine Lieblingsautorin, Rita Mae Brown, sagte über dieses Buch: „Ein mitreißendes Debut: betörend und ein bisschen unheimlich wie Venedig selbst. Glänzend und unwiderstehlich.“ Die Geheimnisse, Geschichten und Anekdoten rund um den Stardirigenten fördern diese Atmosphäre natürlich – und so kann mein Fazit nur lauten: Ein rundum gelungenes Buch. Bitte noch viel mehr davon! (sth, 07.10.2008)

Sonntag, 31. August 2008

Peter Kröning, „Auch Genies können irren …“

20 Kapitel, 334 Seiten, gebundene Ausgabe
VerlagLangen/Müller, 2003
ISBN978-3-7844-2902-5
gelesenvom 15.07.2008 bis 29.08.2008
Empfehlunggut (2)

Der Autor Peter Kröning, studierter Chemiker, zeigt in seinem Buch in zwanzig Kapiteln je eines der größten wissenschaftlichen Irrtümer der Menschheit auf. So handelt ein Kapitel von den Alchemisten, die nach wie vor daran glauben, dass aus beliebigen Materialien Gold hergestellt werden könne, was chemisch betrachtet gar nicht funktionieren kann. Andere Wissenschaftler glauben fest daran, dass die Erde innen hohl sei – und jeder Fakt, der gegen die Theorie spricht, wird wie üblich so interpretiert, dass die Theorie wieder passt. Ein weiteres Kapitel erklärt hingegen, dass die heute allgemein anerkannte Evolutionstheorie Charles Darwins mit vielen Fakten aus der Biologie nicht in Einklang zu bringen ist. Auch die Urknall-Theorie besitzt eklatante Schwächen und die Theorie, dass der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid den Treibhauseffekt verursacht, ist ebenso zweifelhaft. Weitere Irrtümer sind der Glaube, dass Tierversuche nötig seien, um Medikamente für Menschen zu finden und herzustellen, und der ehemalige Glaube, die Bakterien besiegt zu haben. Folgen hieraus sind eine schreckliche Tierquälerei und eine Züchtung von widerstandsfähigen Bakterien. Kurzum: Peter Kröning zeigt in seinem Buch auf, wie Wissenschaftler oft über mehrere Jahre an den größten Blödsinn glauben, dafür aber diejenigen, die eine – vielleicht unbequeme – Wahrheit entdecken, einen Lügner schimpfen.

Das Buch, das als Untertitel „Glücksfälle und Fehlurteile der Wissenschaft“ trägt, ist ein so genanntes populärwissenschaftliches Sachbuch. Das heißt nichts anderes, als dass den Lesern wissenschaftliche Zusammenhänge und Tatsachen in einer sehr lockeren, unwissenschaftlichen Sprache, also quasi im Plauderton, beigebracht werden. Jedem, der das hier liest, muss klar sein, dass es sich hierbei nicht um ein Lesebuch oder -roman im herkömmlichen Sinn handelt. Das Buch ist ein Sachbuch, kein wissenschaftlicher Roman – und damit hat es keine durchgehende Haupthandlung etc.

Voraussetzung dafür, dass man am Lesen dieses Buch Spaß hat, ist meiner Meinung nach auch ein allgemeines Interesse und Spaß an Naturwissenschaften. Grundkenntnisse der Naturwissenschaften, hauptsächlich Chemie und Biologie, aber auch Physik, sind sehr vorteilhaft und erleichtern das Verständnis und somit das Lesen. Denn es tauchen hin und wieder Fachbegriffe wie Atomgewicht, die nicht alle im Glossar erklärt werden, oder chemische Formeln (H2O sollte jeder als chemische Formel für Wasser kennen) auf.

Zum Teil geht das Buch sehr in wissenschaftliche Details, beispielsweise bei der Erklärung der DNS-Struktur. Insgesamt gesehen ist es ein sehr anspruchsvolles Buch, das ich nicht als Bettlektüre oder zur Zerstreuung empfehlen würde.

Peter Kröning zeigt in seinem Buch auch immer wieder das Nichtwissen der Menschheit und die Grenzen der Naturwissenschaften auf. Bei tiefer gehender Betrachtung kann dies zu einer ernüchternden Erkenntnis führen.

Nichtsdestotrotz habe ich das Buch mit Spannung und naturwissenschaftlicher Hingabe gelesen. Die erstaunlichen Anekdoten runden das Buch, dass mit einigen Irrtümern und Irrglauben kräftig aufräumen möchte, auf originelle Weise ab. Auch wird den meisten erst nach der Lektüre dieses Buches klar sein, wie anstrengend eine wissenschaftliche Karriere und mit welchem Aufwand eine einzige Entdeckung verbunden sein kann. Summa summarum ist dieses Buch also für den Hobby-Wissenschaftler und interessierten Leser durchaus zu empfehlen, alle anderen würde ich jedoch zumindest vom Kauf dieses imposanten Buches abraten. (sth, 31.08.2008)