Aktuelle Aktionen



Mittwoch, 30. Juni 2010

John Katzenbach, „Der Patient“

36 Kapitel, 670 Seiten, Taschenbuch (broschiert)
VerlagDroemer/Knaur, November 2006
ISBN978-3-426-62984-0
Original-TitelThe Analyst
Original-VerlagBallantine Books, New York 2002
ÜbersetzerinAnke Kreutzer
gelesenvom 18.01.2010 bis 28.06.2010
Empfehlunggut (2)

Am Abend seines 53. Geburtstages erhält der New Yorker Psychoanalytiker Dr. Frederick Starks einen ungewöhnlichen Brief: »Willkommen am ersten Tag Ihres Todes!«, unterzeichnet von einem »Rumpelstilzchen«. Was Starks anfangs für einen schlechten Scherz hält, entpuppt sich als ausgesprochen mörderische Wahrheit. Starks hat fünfzehn Tage Zeit, Rumpelstilzchens wahre Identität herauszufinden, andernfalls muss einer nach dem anderen aus Starks’ Familie sterben – es sei denn, Starks gibt auf und begeht Selbstmord. Schnell stellt sich heraus, dass die Lösung in Starks’ Vergangenheit liegt; Rumpelstilzchen scheint ein ehemaliger Patient zu sein. Doch die Hilfestellungen, die Starks bekommt, sind zweifelhaft, da sie teilweise von Rumpelstilzchen selbst stammen. Starks bekommt schnell zu spüren, dass Rumpelstilzchen zu weitaus mehr fähig ist, als er sich je hätte träumen lassen. Ein mörderisches Katz-und-Maus-Spiel, bei dem am Schluss nicht mehr so ganz eindeutig ist, wer Katze und wer Maus ist, hat begonnen …

Eine kolossal geniale Idee! Wer allein die Kurzbeschreibung oder den Buchrückentext liest, möchte das Buch unbedingt lesen!

So habe auch ich mir das Buch gekauft und begierig angefangen zu lesen. Die ersten zwei, drei Seiten erscheinen einem ziemlich unnötig und unverständlich (allgemeines Psychoanalytiker-Blabla, das Katzenbach immer wieder einstreut) – und auch den langatmigen Mittelteil muss mal erst mal überstehen, aber dann wartet ein furioses Finale auf den Leser, das keiner verpassen sollte!

Ein großes Ärgernis war für mich, dass mein Exemplar furchtbar schlecht verarbeitet worden war. Die Schutzfolie des Taschenbucheinbandes löste sich ziemlich schnell auf und kräuselte sich seitdem von allen Seiten, sodass es nicht mehr angenehm war, das Buch in die Hand zu nehmen. Allein der gute Inhalt hat diesen Eindruck wieder revidiert.

Die Übersetzung liest sich im Großen und Ganzen recht flüssig. Der Lesefluss wird immer wieder durch ein paar psychoanalytische Gedanken gebremst, insgesamt zur spannenden Handlung gesehen aber ein recht ausgeglichenes Verhältnis.

Katzenbach hat mich ehrlich überrascht. Nicht nur, dass das Ende ziemlich überraschend ist: Rumpelstilzchen wird enttarnt – und er entpuppt sich als eine Person, die Starks schon einige Zeit kannte; auch Rumpelstilzchens Helferlein, Virgil und Merlin, sind Figuren, die Starks bereits unter anderem Namen kannte. Nein, richtig überraschend war für mich, dass nur der erste Teil damit endete, wovon ich dachte, dass das ganze Buch handeln würde, nämlich von den fünfzehn Tagen, in der Starks Zeit hat, Rumpelstilzchen zu enttarnen. Dass danach erst die eigentliche, richtig spannende Geschichte anfängt, ahnt man zunächst nicht, doch dann kann man den Roman gar nicht mehr aus der Hand legen. Wobei der Anfang von Teil 2 einige Längen aufweist, die man erst mal überstehen muss. Katzenbach hätte gut daran getan, dort noch ein bisschen zu kürzen.

Die Charakterisierungen sind ganz gut gelungen, das Hauptaugenmerk wird auf Protagonist Starks und all die vielen psychoanalytischen Gedankengänge gelenkt.

Die Geschichte ist durch einen (nicht-)allwissenden Er-Erzähler dargestellt, der die ganze Zeit nur von Starks’ Wirken und Denken erzählt. Meiner Meinung nach hätte es die Spannung noch einmal zusätzlich erhöhen können, wenn ab und zu auch Teile der Geschichte aus der Sicht einer der anderen Beteiligten erzählt worden wären.

Die spannende Ankündigung auf dem Buchrücken weckt Erwartungen, die der Autor bei Weitem übertrifft: Wer ein paar vergnügliche, äußerst spannende Lesestunden erleben will, muss diesen exzellenten Psychothriller lesen – und darf sich nicht von den Längen des Buches abschrecken lassen! (sth, 29.06.2010)

Keine Kommentare: