Aktuelle Aktionen



Mittwoch, 8. Juli 2009

Patricia Cornwell, „Die Hornisse“

26 Kapitel, 444 Seiten, Taschenbuch
VerlagGoldmann Verlag, Juni 2002
ISBN3-442-43901-9
Original-TitelHornet’s Nest
Original-VerlagG.P. Putnam’s Sons, New York 1997
ÜbersetzerinMonika Blaich
gelesenvom 28.04.2009 bis 09.05.2009 und vom 01.06.2009 bis 02.07.2009
Empfehlungmangelhaft (5)

In Charlotte, North Carolina, herrscht das Verbrechen. Ein perverser Killer bringt ortsfremde Geschäftsmänner um und besprüht deren Intimbereich mit einem orangenen Sanduhr-Symbol. Dagegen und gegen die vielen weiteren Ungerechtigkeiten und Kleinverbrechen gehen drei unerschrockene Gestalten vor: Deputy Chief Virginia West, ihre Vorgesetzte Chief Judy Hammer und der frischgebackene Polizeireporter Andy Brazil. Nur sehr verzögert machen die drei Fortschritte …

Wer Patricia Cornwell als Erfolgsautorin rund um die spannenden Kay-Scarpetta-Romane kennt, wird von diesem Buch herb enttäuscht sein. Beim Lesen dieses Romans möchte man nur zwei Fragen beantwortet haben: Wie geht es aus? Und wann ist es endlich zu Ende?

Cornwells Schreibstil ist in diesem Roman einfach nur grausam. Am Anfang erfährt man zuhauf belanglose Hintergrundinfos, Cornwell verliert sich geradezu in Details. Leider bleibt sie sich in dieser Hinsicht den ganzen Roman hindurch treu. So erfährt man etwa den halben Lebenslauf eines unbedeutenden Statisten, der der Hauptfigur lediglich ein Blatt Papier reicht.

Zum Teil kann man den Dialogen nicht folgen. Möglicherweise auch ein Ergebnis der nicht gerade brillanten Übersetzerin. Wenn ich in meinem Beruf so schlecht wäre wie Monika Blaich in ihrem, würde ich eine Gehaltskürzung vorschlagen – und ich verdiene schon lausig. Aber für so eine Leistung kann man eigentlich kein Geld verlangen. Aber Cornwells Vorlage gab wahrlich keine gute Ausgangssituation ab.

Beispielsweise wird im zweiten Kapitel die Ermittlungsarbeit bei einem Einbruch beschrieben, dann aber wechselt mittendrin die Szene. Als ob Cornwell nichts mehr eingefallen wäre. Einzelnen Szenen werden nie zu Ende erzählt. Ganz schlechter Stil! Überhaupt ist dieser Roman keine einzelne Geschichte, sondern eine Sammlung tausender kleiner Geschichten, die allesamt einzeln so langweilig und unbedeutend scheinen, dass ein gesamtroter Faden in dem ganzen Roman nicht gefunden werden kann. Leider ist das scheinbare Hauptthema, die perversen Morde an den Geschäftsmännern, das so verheißungsvoll auf dem Buchrücken angepriesen wird, nur eines dieser tausend Nebenthemen. Der Leser kann sich glücklich schätzen, dass dieser Teil am Ende überhaupt aufgelöst wird. Zum großen Teil hat man nämlich das Gefühl, dass die Autorin über den Alltag ihrer Charaktere die eigentliche Geschichte zu erzählen vergessen hat.

Im Prinzip ist die Idee, die Cornwell hatte, sehr gut und birgt viel Potenzial, welches sie leider nicht nutzt. Die Spannung dieses Romans lebt einzig von der Frage: Was passiert als nächstes? Sie schleppt sich von Szene zu Szene und erlebt weder große Höhen noch Tiefen. Ich hatte beim Lesen den Eindruck, als hätte Cornwell bei diesem Roman das Schreiben erst noch geübt. Durch das ganze Buch zieht sich die Unart ständiger unangekündigter Perspektivwechsel, was den Leser schon sehr verwirrt. Die Erzählform ist mir auch sehr unklar.

Die Antipathie zwischen den Hauptfiguren West und Brazil gefällt mir auch nicht. Die Annäherungen und Abstoßungen sind nicht gut ausgearbeitet.

Zum Schluss hat man das furchtbare Gefühl, dass Cornwell endlich fertig werden wollte. Die Auflösungen aller kleinen und großen Rätsel werden hintereinander wegerzählt, anstatt sie langsam aus der Geschichte zu entwickeln. Die Tatsache, dass die fiesen Charaktere ihre gerechte Strafe erhalten, erzeugt eine gewisse Genugtuung, die aber in so einem Roman nicht zwingend erfolgen muss. Dass der eine oder andere Fiese einen Triumph erlebt, hätte der Geschichte mit Sicherheit mehr als gut getan. Zwischendurch verschafft Cornwell dem Leser einen Wissensvorsprung, indem sie einfach den Mörder preisgibt. Völlig unverständlich! Geschnappt wird er allerdings erst auf der allerletzten Seite – kitschiger geht es nicht!!!

Generell hat man das Gefühl, nur den Alltag der Charaktere zu begleiten. Im Grunde genommen liest man mit diesem Roman eine Seifenoper – und keinen Krimi oder Thriller. Wie gesagt, das Thema hatte Potenzial, aber die Umsetzung ist so grottenhaft schlecht, dass es fast schon schade ist um die vergeudete Lesezeit.

Der Titel hat mit dem Inhalt überhaupt nichts zu tun – vielleicht auch, weil es falsch übersetzt wurde. „Hornissennist“ wäre schon passender, denn so wird dieser Ort in North Carolina umgangssprachlich genannt.

Insgesamt fällt also meine Kritik sehr kritisch aus, da aber dem Roman eine gewisse, geringe Grundspannung nicht abzusprechen ist und ich ihn aus unerfindlichen Gründen doch fertig lesen wollte, kann ich das Buch nicht als „ungenügend“ abstempeln. Mein Fazit also: Wer seine Zeit nicht sinnvoller verschwenden kann, ist bei diesem Exemplar der gedruckten Langeweile bestens aufgehoben! :-( (sth, 08.07.2009)

Keine Kommentare: